Mittwoch, 17. Dezember 2025

Veränderungen

 Wie war ich doch einst von allem, restlos allem, das ich mit Bildung assoziierte, begeistert. Das ging von Klöstern über Bibliotheken zu Buchhandlungen, von Universitäten über Schriftsteller zu Schauspielerinnen, vom Theater über den Film zum Briefmarkensammeln. Dass etwas, was auch nur irgendwie mit Kultur im Zusammenhang stand, aufbewahrt, studiert und gepflegt gehörte, war mir selbstverständlich.

Der Welt des Wissens begegnete ich mit Ehrfurcht, von gescheiten Menschen war ich beeindruckt. Die Angst, womöglich nicht zu genügen, begleitete mein Jusstudium. Dass ich es dann im Schnelldurchlauf hinter mich brachte, verwunderte mich mehr als es mich freute. 

Der Respekt vor akademischen Titeln und anderen sozialen Zuschreibungen verlor sich, als ich in späteren Jahren weitere Abschlüsse an ausländischen Universitäten erwarb. Dass Diplome von sogenannt renommierten Lehranstalten selten mehr als Bestätigungen des Angepasst-Seins waren, ernüchterte mich.

Die Hoffnung, dass Wissen einen erfüllen und befreien sollte, weigerte sich hartnäckig ihren Abschied zu nehmen. Nach wie vor suchte ich in Büchern und scharfsinnigen Auseinandersetzungen nach Antworten  auf die Rätsel des Lebens, obwohl es mich zunehmend nervte, Abhandlungen von mehreren hundert Seiten über einen einzigen Gedanken zu lesen. Die Erkenntnis von Joseph Campbell, dass die Menschen nicht so sehr die Frage nach Sinn beschäftigte, sondern sie the experience of being alive vermissten, verstand ich nur intellektuell, also gar nicht.

Ich trottete weiter in den mir bekannten Pfaden, hörte nicht auf, mich darüber aufzuregen, dass die Welt nicht so war, wie sie meines Erachtens sein sollte. Und obwohl ich zu kapieren begann, dass die Welt der Kultur, von der ich mir Erlösung von meinem Leiden am Leben erhoffte, genauso eitel, korrupt und hohl war wie alles, das sich am Beifall orientiert, schaffte ich es nicht, davon abzulassen. Und sie einfach locker zu nehmen, entsprach schlicht nicht meinem Temperament.

Doch nach und nach begann ich in meinen Gefühlen einen Gedanken (Gefühle und Gedanken, die beide im Hirn entstehen, vermag ich nicht zu unterscheiden) auszumachen, der mir schon einmal, viele Jahre ist es her, den Weg gewiesen hat. So sick and tired of being so sick and tired. Ich gewöhnte mir an, darauf zurückzukommen, so dass ich mit der Zeit begriff, dass ich so nicht mehr leben wollte. Und eigenartigerweise genügte das, um mich neu zu orientieren ...

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