Mittwoch, 14. August 2013

Die mächtigste Droge der Welt

Diesem eindrücklichen, informativen und gut lesbaren Werk ist ein Geleitwort des Nachtschatten-Verlegers Roger Liggenstorfer vorangestellt, in dem er unter anderem Paracelsus zitiert: "Alle Dinge sind Gift, auf die Dosis kommt es an!" und das Buch treffend mit diesen Worten zusammenfasst: "Dieser reichhaltige erste Band einer geplanten Trilogie besticht auch als eigenständiges Werk. Er zeigt die lange Geschichte des Alkohols, das Verhältnis zum Trinken in verschiedenen Kulturen und Gesellschaften und die Beziehung zur Religion auf spannende und eindrückliche Art. Und nicht zuletzt erzählt er auch von den berühmtesten Trinkern: ein Stelldichein der aussergewöhnlichsten Säufer und Trinkerinnen aus allen Gesellschaftsschichten. Ich wünsche bei der Lektüre dieses berauschenden Buches viel Spass und Erkenntnisgewinn und bin mir sicher, dass die Leserin, der Leser danach die mächtigste Droge der Welt mit neuen Augen sehen werden."

Der Autor, der 1963 in Wien geborene Wolfgang P. Schwelle, der Handels-., Politik- und Kommunikationswissenschaften studiert hat:, schreibt zur Verbreitung des Alkoholtrinkens: "... überall dort, wo Alkohol nicht verboten ist, wird er konsumiert. Und überall dort, wo er das ist, ebenso."
 Gemäss der WHO haben geschätzte 76 Millionen ein massives Alkoholproblem. Das meint aber eben auch, dass etwa drei Viertel der Alkohol-Konsumenten mit der Droge ganz gut umgehen können. Trotzdem: "De facto ist der Alkohol unzweifelhaft die mit sehr grossem Abstand am häufigsten konsumierte sowie zugleich unterm Strich auch die gefährlichste Droge der Welt." Das liegt nicht zuletzt daran, dass unter den Folgen unkontrollierten Trinkens nicht nur die Trinker, sondern auch alle anderen, die mit ihnen zu tun haben, zu leiden haben.

Gegliedert ist das Buch in 5 Kapitel. Und die sind 1) Die Geschichte des Alkohols, 2) Alkohol und Religion, 3) Alkohol und Gesellschaft, 4) Berühmte Trinker und 5) Und übrigens ... wo auf die Frage eingegangen wird, ob Tiere eigentlich Alkohol trinken.

Ich will hier auf das Kapitel über berühmte Schriftsteller und das Trinken (es gibt auch Kapitel über Musiker und Komponisten, Sportler, Schauspieler, Politiker ...) etwas näher eingehen. Ein Alkoholnebel liege über der Weltliteratur, behauptet der Hanser-Verleger und Schriftsteller Michael Krüger. Dass Scott Fitzgerald gesoffen hat, oder Hemingway, das war mir bekannt, dass jedoch Goethe sich "angeblich immer die Hände vor Freude gerieben hat, wenn eine neue Weinlieferung eintraf", war mir neu, wie auch, dass Friedrich Schiller, "von manchen Autoren als schwerer, von anderen als mässiger Trinker" bezeichnet worden sei. Auch Shakespeare soll ein Trinker gewesen sein, allerdings kein schwerer. Überrascht hat mich auch, dass Patricia Highsmith aussergewöhnlich hohe Mengen von Alkohol konsumiert hat: Erwähnt werden aber auch die Schriftsteller, die trocken geworden sind und George Bernard Shaw, der jede Form des Alkoholkonsums ein Leben lang ablehnte: "Ich brauche keine Stimulanzien, ich brauche viel eher Sedativa."
Bei den Schweizer Schriftstellern fehlt übrigens Max Frisch, der in seinem Entwurf zu einem dritten Tagebuch schrieb:"Dass ich Alkoholiker sei, habe ich früher schon gesagt. Jetzt ist es keine Koketterie mehr. Nur in einer Klinik gelingt der völlige Entzug."

Es ist nun aber eben nicht so, dass dieses Buch einfach unsere Neugier befriedigt ("Wusste gar nicht, dass der oder die auch ..."), vielmehr bietet es ganz unterschiedliche und äusserst vielfältige Aufklärung über Alkohol. So weist der Autor etwa darauf hin, dass es "dieser Wunsch nach einer gelegentlichen Auszeit von all den Problemen, von der oft als brutal empfundenen Wirklichkeit und von der durchrationalisierten Nüchternheit des modernen Lebens" ist, weshalb der Gebrauch (und das schliesst den Missbrauch ein) von Alkohol wohl kaum je verschwinden wird. Übrigens: Die Inuit sind, bis die europäischen Eroberer kamen, ohne Drogen ausgekommen. "Freilich nicht, weil sie so diszipliniert und gesundheitsbewusst waren, sondern weil dort, wo sie leben, auf Grönland und im hohen Norden Kanadas, einfach nichts wächst, was als Droge hätte herhalten können."

"Alkohol. Die mächtigste Droge der Welt" ist uneingeschränkt zu empfehlen. Weil der Autor etwas zu sagen hat, dies differenziert tut und zudem unterhaltsam zu schreiben weiss. Und weil er Humor hat. So ist ein Kapitel überschrieben mit "Von Auguryo bis Zivjeli". "Auguryo" sagt man auf Somalisch für Prost. Und jetzt raten Sie mal was "Zivjeli" heisst? Prost natürlich, auf Serbokroatisch.

Wolfgang P. Schwelle
Alkohol
Die mächtigste Droge der Welt
Band 1
Geschichte, Religion, Gesellschaft und Kurioses
Nachtschatten Verlag, Solothurn 2013

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