Mittwoch, 3. Juni 2026
Tag für Tag
Sonntag, 31. Mai 2026
Die Geschichte eines Herzens
Mittwoch, 27. Mai 2026
Die schöpferische Kraft der Blumen
Sonntag, 24. Mai 2026
Cosmic Kiss
Mittwoch, 20. Mai 2026
Das fühlende Gedächtnis
Sonntag, 17. Mai 2026
Our explanations
I guess we're all, or most of us, the wards of that nineteenth-century science which denied existence to anything it could not measure or explain. The things we couldn't explain went right on but surely not with pour blessing. We did not see what we couldn't explain, and meanwhile a great part of the world was abandoned to children, insane people, fools, and mystics, who were more interested in what is than in why it is. So many old and lovely things are stored in the world's attic, because we don't want them around us and we don't dare throw them out.
John Steinbeck: The Winter of Discontent
Mittwoch, 13. Mai 2026
Was einem zufällt
Sonntag, 10. Mai 2026
Sokrates
Mittwoch, 6. Mai 2026
Denken versus Erfahrung
Martin Walser: Tod eines Kritikers
Sonntag, 3. Mai 2026
On arguments & reality
The importance that arguments is given, I do find bewildering. Think of the law, think of history, think of pretty much everything that sails under the label humanities. It's all about arguments. Differently put: Much of our reality is man-made, it only exists because we believe in it.
This, however, is not the reality that was once so aptly described by Philip K. Dick as "that which when you stop believing in it doesn't go away." Sharon Cameron once put it thus: "Without reference points there is meaninglessness. But I wish you'd understand that without reference points you are in the real."
We human beings are far from facing reality, we prefer illusions that we like to call beliefs. As the Bhagavad Gita says: "Man is made by his belief. As he believes, so he is."
Mittwoch, 29. April 2026
EGO - Das Spiel des Lebens
Sonntag, 26. April 2026
Als Freiwillige für ein unerprobtes Vakzin
Mittwoch, 22. April 2026
Empty your brain
Sonntag, 19. April 2026
Die Parallelwelten des Philip K. Dick
Mittwoch, 15. April 2026
How Ricardo portrayed me
Sonntag, 12. April 2026
Wie soll ich leben?
Hugo hatte so recht eigentlich keine Zweifel, dass frühkindliche Erfahrungen entscheidend seinen Lebensweg bestimmt hatten. Und weil er das glaubte, fand er auch problemlos die entsprechenden Belege dafür.
Doch wieso glaubte er das eigentlich? Weil es die vorherrschende Ideologie war. Es war der Zeitgeist, und diesem war nur schwer zu entkommen.
Im 16ten Jahrhundert, in dem Michel de Montaigne lebte, herrschte ein ganz anderer Geist. Montaigne hatte sieben jüngere Brüder und Schwestern und wurde bereits nach der Geburt zu einer einfachen Bauernfamilie im Nachbardorf zur Pflege gegeben. Dazu Sarah Bakewell in Wie soll ich leben?: „Wenn wir von den entwicklungspsychologischen Ideen des 20. und 21. Jahrhunderts ausgehen (die sich vielleicht bald als fragwürdig erweisen werden: vielleicht ist die Mutter-Kind-Bindung ein ebenso kurzlebiges, kulturell bedingtes Phänomen wie das Gestilltwerden durch eine Amme), so muss der mangelnde Kontakt zu den Eltern in den entscheidenden ersten Lebensmonaten Montaignes Beziehung zu seiner Mutter tiefgreifend geprägt haben. Montaignes eigener Einschätzung nach jedoch funktionierte der Plan perfekt, und er empfahl seinen Lesern, mit ihren Kindern möglichst dasselbe zu tun.“
Es versteht sich: Wir sind Kinder unserer Zeit. Heisst das, dass wir zu einer bestimmten Art Leben und Denken verdammt sind? Zum grössten Teil ist dem wohl so. Zu bedenken ist allerdings, was Benoîte Groult in ihrer Autobiografie Meine Befreiung notierte: „Das Beruhigende bei den alten Griechen und Römern wie bei den Klassikern oder Romantikern ist, dass sie uns ihre Kindheit erspart haben. War Corneille ein geschlagenes Kind? Hat Platon mit zehn masturbiert? Hat Musset viel geweint, weil seine Mutter ihm abends im Bett keinen Gutenachtkuss gegeben hat?“
Hugos Fühlen und Denken hatte sich immer an Ewigem orientiert, ihm war das Relative stets fremd und zuwider. Die Grundüberzeugung dabei: Wenn du weisst, wer du bist, und dein Schicksal annimmst, kann dir so recht eigentlich gar nichts passieren.
Natürlich gehören die Dinge – auch – im Zusammenhang gesehen. Doch wer so argumentiert, meint eigentlich fast immer in dem von ihm vorgegebenen Zusammenhang, denn ein Kontext ist immer konstruiert, existiert nicht einfach so. Man stelle sich nur einmal vor, wie Zukünftige auf uns Heutige zurückschauen werden, wie unwissend und naiv sie uns wohl wahrnehmen werden.
Mächtig bzw. einflussreich ist, wer den Kontext vorzugeben vermag. Hugo hatten die vorgegebenen Kontexte nie recht zu überzeugen vermocht, ständig dachte es so in ihm: Aber das ist doch total willkürlich, das kann man auch ganz anders sehen. Stimmt, antworteten daraufhin die, die das Sagen hatten. Und überhaupt: Leute, die quer denken können, brauchen wir. Hugo wollte das gerne glauben, merkte dann aber, dass quer bzw. anders zu denken nur dann gefragt war, wenn es sich im Interesse derjenigen, die das Sagen haben, zu ihrem Vorteil nutzen liess.
Was also war zu tun? Du gehst deinen Weg, ich gehe meinen. Das klingt einfach, ist es aber nicht, denn die gesellschaftlichen Prägungen gehen nicht einfach so weg. Warum kannst du dich nicht anpassen? Glaubst du, du seist etwas Besonderes? Und so weiter … Man verglich sich, war gelegentlich eifersüchtig und neidisch, zweifelte an seinen Entscheiden. Und ging weiter auf seinem Weg, auf dem man, je länger man ihn ging, sich allmählich begann, wohl zu fühlen, sofern das nicht das Ziel war.
Aus: Hans Durrer: Heute Nicht! Die Geschichte einer Obsession
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