Jenseits der Schulweisheiten
Reflections on destructive behaviour and attitude change
Sonntag, 20. September 2026
Lügen
Mittwoch, 16. September 2026
Sich vor unsäglichen Gefühlen schützen
Die Sucht sei gebunden an Sprachlosigkeit, dies, so erfahre ich aus der Einleitung von Simon Scharf, sei der Denkansatz Roland Voigtels. Zudem: Das Unbewusste sei wie eine Sprache strukturiert. Und auch dies: Zu den Kernelementen von Voigtels Suchtkonzeption gehört "die missglückte Beziehungserfahrung des Kleinkindes" als "zentrales Moment der Suchtentwicklung".
Fremder könnten mir diese Vorstellungen kaum sein. Das Unbewusste ist wie eine Sprache strukturiert? Nun ja, man kann bekanntlich vieles glauben, vor allem über das Unbewusste, über das man bestenfalls Vermutungen anstellen kann. Wie auch über die Erfahrungswelt von Kleinkindern, von der man so recht eigentlich ebensowenig wissen kann.
Mein eigener Bezug zur Sucht besteht in meiner eigenen Suchterfahrung; meine Alkoholabhängigkeit ist vor mehr als 35 Jahren zum Stillstand gekommen. Wie das geschehen ist, weiss ich nicht; erlebt habe ich es als eine Gnade. Selbstverständlich könnte ich Gründe bzw. Erklärungen anführen (die selten mehr offenbaren, als wie ich denke), doch für mich ist das Rätselraten. Die Gewissheiten meines Bewusstseins halte ich für meinen eigenen Lebensweg für unbedeutend. Siehe auch hier
Auch Roland Voigtel verfügt über "Drogenerfahrungen als Jugendlicher oder Jungadoleszenter. Als ich nach dem Abitur frisch nach Berlin kam, sehr vereinsamt, haben Alkohol und Cannabis ein paar Jahre lang eine wichtige Rolle gespielt. Ich bin damals in eine psychoanalytische Gruppentherapie gegangen, die mir sehr geholfen hat, mich selbst zu verstehen. Sie sehen, dass bei der Beschäftigung mit dem Thema von vornherein meine subjektiven Erfahrungen miteingeflossen sind." Es ist bestens nachvollziehbar, dass er glaubt, was ihm geholfen hat, werde auch anderen helfen..
Aufschlussreich fand ich insbesondere, dass er nicht nicht die Sucht, sondern "den Zusammenhang von bürgerlicher bzw. kapitalistischer Gesellschaftsstuktur und psychicher Struktur der Individuen" als sein Lebensthema bezeichnet. Entdeckt hatte er das, als er zwei seine Aufsätze von Ende der 1980er Jahre wiedergelesen hatte. Aufschlussreich finde ich das, weil ich eine ganz ähnliche Erfahrung beim Lesen alter Texte gemacht habe. Mir scheint, was ich heute denke, habe ich schon immer so gedacht.
Wortreich beklagt Roland Voigtel das fehlende wissenschaftliche Selbstverständnis der Psychoanalyse. Da muss ich passen. Für mich sind historische Wissenschaften (inklusive der Rechtswissenwissenschaften. „Ein Federstrich des Gesetzgebers und ganze Bibliotheken werden zu Makulatur.“ Julius Hermann von Kirchmann) keine Wissenschaften. Und die Medizin, die mit wissenschaftlichen Methoden operiert, auch nicht.
Therapie versteht Psychoanalytiker Voigtel als "eine Art Begegnung", bei der der kompetente Therapeut sich mit der hilfesuchenden Person wechselseitig austauscht. Und versucht, "sie aus der Sprachlosigkeit herauszuholen."
Die Sucht sei primär "etwas, das hilft und 'die 'Not wendet'." Er führt aus: "Ich finde, dass die Begriffe der Abwehr- und des Abwehrsystems in diesem Zusammenhanng manchmal zu negativ, zu pathologisch gerahmt sind. Es geht hier um einen Schutz des Ich oder des Selbst, wo ein Mensch in einer bestimmten Situation keine anderen Möglichkeiten hatte, als zu diesem Schutz zu greifen – auch hier: 'not-wenig.'" Nur eben: Woher will er wissen, dass "ein Mensch in einer bestimmten Situation keine anderen Möglichkeiten hatte"? Wobei: Ein Süchtiger glaubt in der Tat nicht an die Möglichkeit der Wahl. Und sein Glaube bestimmt sein Verhalten. Ich selber finde gut, dass man eine schlechte, selbstschädigende Wahl negativ bewertet.
Bei seinen Ausführungen über Mütter und frühkündliche Erfahrungen muss ich wiederum passen. Für derartige Glaubensspekulationen fehlt mir die Energie. Einig (Simon Scharfs Fragen sind immer mal wieder ausgesprochen hilreich) gehe ich hingegen mit der Folgerung, dass "keine neurotische oder persönlichkeitsgestörte, überhaupt keine psychische Grundstruktur beseitigbar ist. Sie wurde erlebt, ist innerlich abgebildet, hat die Person geformt und kann nicht rückgängig gemacht werden. Das Einzige, das gemacht werden kann, ist etwas Ergänzendes zu entwickeln ...".
Auch wenn ich Roland Voigtels Auffassung, dass die unbewusst entwickelten Abwehr- und Schutzmechanismen, "etwas Gutes und Wichtiges sind, dem Selbst der Person in einer bestimmten Situation geholfen haben und auf eine gewisse Art repektiert werden müssen", nicht einmal ansatzweise teile (eine destruktive Wahl schönzureden, ist schlicht keine Option), finde ich die Auseinandersetzung mit diesem Buch lohnenswert. Weil viel und erfreulich Unterschiedliches (nichts, wozu der Mann keine Meinung hat) überaus reflektiert zur Sprache kommt. Und auch, weil "die Lösung", die ich für mich gefunden habe, für viele wohl nicht in Frage kommen wird.
Sich vor unsäglichen Gefühlen schützen
Ein Gespräch über Sucht, die Rolle der Sprache
und eine politische Psychoanalyse
Psychosozial-Verlag, Giessen 2026
Sonntag, 13. September 2026
Shitfluencer
Mittwoch, 9. September 2026
Von der Sucht
Süchtige kriegen den Hals nicht voll. Sie sind gierig. Nie haben sie genug, immer müssen sie mehr und Neues und Anderes haben. Bei Allem und Jedem. Ich zum Beispiel bei Büchern. Unsere Gesellschaft braucht Süchtige, sie werden Konsumenten genannt. Von was auch immer. Ohne sie würde „unser“ Wirtschaftssystem zusammenbrechen.
Gier macht abhängig. Den meisten scheint das egal und denen, die damit ein Problem haben, hilft die Einsicht wenig. Denn Gier ist ein Gefühl und dagegen kommt der Verstand nicht an, hingegen hilft häufig ein anderes, stärkeres Gefühl. Wer Veränderung will, muss ein solches hegen und pflegen. Es geht darum, sich in ein neues Gefühl hineinzuhandeln.
Seit einiger Zeit stelle ich mich immer mal wieder vor meine Regale, betrachte die Bücher, nehme einige zur Hand, blättere darin und lese mich gelegentlich fest. Zum Beispiel bei Rodney Smith: Frei von Selbsttäuschung: „Es ist unser Widerstand gegen die Realität, nicht die Realität selbst, was Leiden schafft.“ Und bei Hans Albrecht Moser: Auf der Suche: „Alles muss geübt sein, nicht nur Turnen, Klavierspielen, Reden … auch die Loslösung von dieser Welt. Es wäre eine härtere Welt denkbar, wo alle Übung vergebens wäre.
Ich merke, dass ich die Bücher bereits habe, die ich zu brauchen glaube. Und dazu noch ganz viele, die darauf warten entdeckt zu werden. Jetzt gilt es nur noch zu tun, was ich weiss, dass ich tun sollte: Mich auf das zu konzentrieren, was ich habe und vor meiner Nase liegt. Tue ich das, dann stellen sich auch die Gefühle ein, die der Gier Paroli bieten.
Übrigens: Zu den Büchern, die ich zwar gelesen, aber überhaupt keine Erinnerung an den Inhalt hatte, gehört Dainin Katagiris You have to say something. Manifesting Zen Insight. Ich hatte mir ein paar Stellen darin angestrichen und bin heute bass erstaunt, wie genau sie treffen, was mich mein Leben lang wichtig gedünkt hat und ich auch immer wieder gespürt, gemerkt und gefühlt habe. If you really want to please yourself, just forget your longing and attend to your daily life. In this we find goldenness. Ich habe das Buch auf meinen Tisch, also vor meine Nase, gelegt, als Erinnerungsstütze, denn mein Üben besteht darin, immer wieder auf diese mir den Alltag wertvoll machende Philosophie zurückzukommen.
Sonntag, 6. September 2026
Die amerikanische Krankheit
In meinen Augen wurde Amerika schon immer überbewertet und mit Hollywood verwechselt. Die Corona-Pandemie zeigt gerade, dass weit mehr als man sich hat vorstellen können, im Argen liegt. Ein nüchterner Blick tut schon lange Not, angesichts der jetzigen Regierung wird er dringend. Und Geschichtsprofessor Timothy Snyder liefert ihn und zwar so, wie man das am besten tut: Indem man konkret und grundsätzlich wird – seinen Anfang nimmt Die amerikanische Krankheit mit seinen eigenen Erfahrungen mit dem Gesundheitswesen.
Im Dezember 2019 stimmt einiges nicht mit seiner Gesundheit. In München wird eine Blinddarmentzündung übersehen, in Connecticut wird er operiert, in Florida kurz darauf wieder krank. Schliesslich landet er mit einer Sepsis („der Tod war nahe“) in einer überfüllten Notaufnahme in New Haven. Er schildert dies nüchtern und unaufgeregt, beschreibt in einfacher Sprache, was er wahrnimmt: Ein völlig überfordertes System – kein Wunder, denn es ist darauf angelegt, dass einige wenige davon profitieren. „Die Spezialisten in Sachen Profit sind in den physischen und mentalen Raum vorgedrungen, der einst von den Spezialisten in Sachen Medizin kontrolliert wurde.“
Zeit zu haben und sich in Geduld zu üben, gehört nicht zu den Wesensmerkmalen unseres modernen Lebens. Die Beobachtungen, die der Patient Snyder im amerikanischen Spital macht, bringen es auf den Punkt: „Menschen sind bei fast jeder Aufgabe viel schlechter, wenn sie in der Nähe eines Mobiltelefons sind; beide Ärzte hatten die ihren eingeschaltet und zur Hand.“ Und: „Die ständige Ablenkung der Ärzte und Krankenschwestern ist ein Symptom unserer Krankheit. Jeder Patient hat eine Geschichte, aber niemand geht der Geschichte nach.“
Am Rande: Einmal hört er zwei Krankenschwestern sich über eine Freundin, eine schwarze Ärztin, die sich für ihn einsetzt, unterhalten. „’Wer war sie?‘ ‚Sie hat gesagt, sie sei Ärztin.‘ Sie sprachen über meine Freundin. Sie lachten (…) Rassismus beschädigte in dieser Nacht meine Lebenschancen; er beschädigt die Lebenschancen anderer in jedem Augenblick ihres Lebens.“
Warum er keine einflussreichen Fürsprecher zu seinem Schutz herbeigerufen habe, als er in der Notaufnahme gewesen sei, wird er von Kollegen gefragt. Seine Antwort zeigt, weshalb die Gesundheitspolitik mitentscheidend dafür ist, ob wir in einer wirklichen Demokratie (und nicht einer solchen des Geldes) leben. „Wenn jeder Zugang zu angemessener Gesundheitsversorgung zu minimalen Kosten hat, wie dies für fast alle Menschen in der entwickelten Welt gilt, ist es einfacher, Mitbürger als gleichberechtigt zu betrachten.“
Timothy Snyder ist beruflich viel unterwegs und, da er unter heftiger Migräne leidet, auch zu einer Person geworden, „die nachts in fremden Ländern Krankenhäuser aufsuchte.“ Dabei machte er auch die Erfahrung, dass „die Ärzte in Europa Zeit haben, etwas zu tun, das über das Ausstellen von Rezepten hinausgeht „…Und mir ist klar geworden, dass sie in einem System arbeiten, dass all das ermöglicht und fördert.“ Er scheint also ausgesprochen gute Erfahrungen gemacht zu haben. Das geht allerdings nicht allen so, wie der Arzt Klaus Scheidtmann in Seitenwechsel berichtet.
Das Ehepaar Snyder hat zwei Kinder, das eine wurde in Wien geboren, das andere in den USA. Die Unterschiede sind eklatant – was in Österreich selbstverständlich ist, kostet in Amerika viel Geld. Doch Die amerikanische Krankheit stellt nicht einfach Gesundheitssysteme einander gegenüber, sondern wird grundsätzlich: Als Covid-19 die USA erreichte, wollte die US-Regierung die Wahrheit nicht wahrhaben, beschwichtigte, log und lügt immer noch. „Da die Wahrheit einen befreit, widersetzen sich die Menschen, die einen unterdrücken, der Wahrheit (…) Die Wahrheit erfordert Arbeit, Fakten stimmten oft nicht mit dem überein, was wir glauben, was wir glauben wollen oder was wir glauben sollen. Fakten sind das, was wir begreifen, wenn wir die richtige Distanz zwischen unseren Gefühlen und der Welt um uns herum feststellen.“
Fazit: Ein engagiertes und überzeugendes Plädoyer gegen die kommerzielle Medizin.
Timothy Snyder
Die
amerikanische Krankheit
Vier Lektionen der Freiheit aus einem
US-Hospital
C.H. Beck, München 2020
Mittwoch, 2. September 2026
Frei nach Schopenhauer
"Wenn man auch noch so alt wird", befand Schopenhauer, "so fühlt man doch im Innern sich ganz und gar als denselben, der man war, als man jung, ja, als man noch ein Kind war", lese ich in Otto A. Böhmers Frei nach Schopenhauer, einem philosophischen Roman, dessen Hauptdarsteller Egidius Fitzroy eine Philosophische Praxis betreibt, wo er Menschen rät, die sich mit Sinn- und Lebensfragen an ihn wenden. "Der Mensch, war seine Überzeugung, ist ein Empfänger, kein Sendbote, er hat im Rahmen insgesamt bescheidener Möglichkeiten hellhörig zu sein, weil ihm sonst etwas entgehen könnte, das wichtig für ihn ist."
Seien wir also so hellhörig wie möglich, denn es lohnt. Nicht nur weil Schopenhauer viel Schlaues, Hilfreiches und ausgesprochen Realistisches über den Menschen und die Welt geschrieben hat, sondern auch weil Otto A. Böhmer (wofür wohl das A steht? Ich entscheide mich für Aha) ein sehr differenzierter und ein sehr witziger Erzähler ist.
Frei nach Schopenhauer ist von einem ausgesprochen fantasievollen Mann geschrieben worden. Ich jedenfalls habe noch nie so anregend über eine Kreuzfahrt gelesen. "Das Meer war, höflich gesprochen, gänzlich unaufgeregt, der Wellengang bestenfalls zu ahnen, aber kaum zu spüren. Die Wolken, in undefinierbarer Ferne, konnte man für ein über Nacht entstandenes Gebirge halten, mit rauchigen Kegelköpfen, verschwimmenden Spalten und Schluchten, und die Entstehung dieser atlantischen Bergwelt war keineswegs abgeschlossen, sie zog weiter, pumpte sich auf, um gleich darauf an den Überhängen gekappt zu worden."
Frei nach Schopenhauer ist ein äusserst vergnügliches und höchst lehrreiches Buch. So wird der Leser etwa über die Zeit aufgeklärt, "ohnehin ein relatives Phänomen, das womöglich kaum mehr als ein Assistenzmedium des Menschen ist, der damit mehr Möglichkeiten bekommen hat, sich unter Druck zu setzen ...".
Als die Internationale Schopenhauer Gesellschaft Egidius Fitzroy auf ein Kreuzfahrtschiff schickt, wo er philosophische Sprechstunden abhalten soll, ist er gezwungen zu fliegen, was ihm gar nicht behagt. Zu seinem Bedauern wird der Frankfurter Flughafen ("Um ihn herum unerträglich gut gelaunte Urlauber, vorwiegend Familien mit verhaltensgestörten Kindern, dazu acht, neun muntere Greise und eine Ansammlung von Alkoholikern, die alle quergestreifte T-Shirts trugen, auf denen Werbung gemacht wurde für den bekannten Männergesangsverein 'Halbe-Lunge WAF'.) nicht bestreikt und so muss er in die Luft ("Fitzroy kam in die Mitte einer Dreierreihe zu sitzen, die für ihn allein schon zu eng war. Wer dachte sich bloss solche Diätbestuhlungen aus ...").
In Lanzarote besteigt er dann zusammen mit dem Ehepaar Gantenbein ein Taxi, "dass etwas altersschwach aussah, was aber durch die vertrauenserweckende Erscheinung des Taxifahrers wettgemacht wurde, der seine Fahrgäste mit absolut treuherzigem Blick anschaute und in einer Sprache begrüsste, die sich als weitgehend unverständlich erwies. Spanisch war dabei, ein paar Brocken Englisch, dazu kam aus dem deutschen Sprachraum 'Grüss Gott' und 'gerne' sowie, ein wenig überraschend, 'Sie mich auch'; der Rest gehörte wohl einer einheimischen Mundart an, die nicht ganz zu Unrecht vom Aussterben bedroht war."
Immer wieder wird, es versteht sich, bei diesem Buchtitel, auf Schopenhauer Bezug genommen. Dabei erfahre ich unter anderem auch, dass Schopenhauer eher ein Mann des unnachgiebigen Dialogs war, als dass er auf Diskussionen aus gewesen wäre. "In seinen Schriften steckt vielleicht auch deswegen ein Quantum Weisheit, wie es die allermeisten seiner Kollegen nicht zusammenbekommen haben." Und ich lese, dass der Dichter Miguel de Unamuno seinerzeit angeblich Deutsch gelernt hatte, um Schopenhauer im Original lesen zu können.
Höchst aufschlussreich auch, dass Schopenhauer offenbar dem Blick in den Spiegel nicht über den Weg getraut hat. "Warum", so schrieb er, "warum trotz allen Spiegeln, weiss man eigentlich nicht, wie man aussieht und kann daher nicht die eigne Person wie die jedes Bekannten, der Phantasie vergegenwärtigen?, eine Schwierigkeit, welche dem 'Erkenne dich selbst' schon beim ersten Schritte entgegensteht. Ohne Zweifel liegt es zum Teil daran, dass man im Spiegel sich nie anders als mit gerade zugewendetem und unbeweglichem Blicke sieht, wodurch das so bedeutsame Spiel der Augen, mit ihm aber das eigentlich Charakteristische des Blickes, grossenteils verlorengeht."
Fitzroy bezeichnet sich "auch aufgrund der ihm zugeteilten Denkfaulheit" als Realist und Pragmatiker, den es nicht, wie einige Kollegen, danach drängt, "das Undenkbare zu denken" und der deshalb auch nicht "heilloser Verwirrung anheimgefallen" ist, "die durch psychotherapeutische Behandlung, in die man sich anschliessend begab, nur noch grösser wurde." Treffender kann man kaum für eine gesunde Bodenhaftung plädieren, zu der auch diese Feststellung gehört: "Fitzroy war traurig. Intellektuelle Einwände gegen ein solches Gefühl, das einfach nur da war und zu Herzen ging, standen ihm nicht zur Verfügung."
Ein ganz wunderbares Buch! Ich habe Tränen gelacht und viel gelernt – glänzender Witz und auf die Lebenspraxis ausgerichtete philosophische Gedanken, meine absolute Ideal-Kombination! Otto A. Böhmer beherrscht sie meisterhaft. Frei nach Schopenhauer ist intelligente Unterhaltung vom Feinsten!
Otto A. Böhmer
Frei nach Schopenhauer
Verlag Karl Alber, Freiburg/München 2018
Sonntag, 30. August 2026
Aus dem Geschichtsbuch gefallen
Herausgekommen ist dabei wunderbart Amüsantes und höchst Lehrreiches. Speziell hinweisen möchte ich auf Daniel Defoes Robinson Crusoe bzw. auf Alexander Selkirk, dem Mann, "der Robinson Crusoe wurde". Der Grund, weshalb diese Geschichte mein ganz besonderers Interesse geweckt hat, liegt einerseits darin, dass ich letzthin Daniel Defoes Roman gelesen habe; der andere, weil ich fasziniert davon gewesen bin, was Markus Gasser aus dem Material gemacht hat.






