Die Physik, so der emeritierte Professor Gerd Ganteför, könne viele der Warum-Fragen, mit denen sie sich beschäftige, nicht lösen. Dazu gehört auch die Frage, warum es zum Urknall kam. Allerdings setzt das voraus, dass es diesen auch wirklich gab, es also das Universum nicht schon immer gegeben hat, wie etwa Lukrez meinte.
Dass die Zeit nur durch unsere Wahrnehmung entsteht (mithin Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Illusionen sind), wie einige glauben, mag Professor Ganteför nicht finden, denn dann gäbe es auch keine Willensfreiheit mehr, da die Zukunft ja bereits festliegt. Nun ja, ob es diese wirklich gibt, ist in der Tat fraglich, doch auch wenn es sie nicht geben sollte, brauchen wir sie, denn ohne Fiktionen können wir offenbar nicht leben.
Die Intelligenz des Universums ist ein vielfältig anregendes Werk, das das gängige Denken, das glaubt, alles verstehen zu können, als das erkennt, was es ist: ein ungemein limitiertes Denken. "In diesem Buch geht es also um die Existenz einer höheren geistigen Ebene, die wir bisher noch nicht wahrgenommen haben oder – im Sinne des Zeitgeistes – nicht wahrnehmen wollen."
Gerd Ganteför hat Hinweise und Indizien ausgemacht, "die uns auf die Spur des 'rätselhaft Immateriellen' bringen." Dabei hält er unter anderem fest: "Leben basiert auf Information und Information kann es nur in der belebten Natur geben. So jedenfalls die Lehrmeinung des Materialismus. Insofern sind belebte und unbelebte Natur in diesem Weltbild streng voneinander getrennt."
Automatisch stellen sich in meinem Kopf Bilder ein, die ich den Worten des Geologen William E. Glassley ("Eine wildere Zeit", München 2018) verdanke. Als er im Grönland-Eis „einmal mit einem Stahlhammer kräftig auf ein besonders hartes Gestein einschlägt, riecht er plötzlich etwas. 'wie nach versengtem Haar, heiss gewordenem Metall oder Wüstenstaub' – seine Hammerschläge hatten die chemischen Verbindungen im Gestein aufgebrochen. 'Das Gestein, zerbrochen durch einen von Neugier motivierten Gewaltakt, entliess Kohlenstoff-, Calcium- und Magnesiumatome in die Welt.'“ Die unbelebte Natur, so scheint mir, ist keineswegs so unbelebt wie wir uns das zurechtgelegt haben.
Wissen und Erleben sind verschiedene Dinge. Auch erfahren wir vieles in unserem Leben, für das wir keine Erklärung haben. Was Gerd Ganteför in diesem höchst aufschlussreichen Buch darlegt, ist unter anderem eine Erweiterung unseres Horizontes mittels Information, einem Begriff, den er nicht klassisch versteht, also als Wissensvermittlung von einem Sender zu einem Empfänger. Stattdessen: "Information ist ähnlich wie Energie und Entropie eine immaterielle Grösse, die aber ohne Träger nicht existiert."
Doch was genau ist eigentlich Information? Es sei naheliegend, lese ich, "dass alles, was existiert, Information enthält und sich in dieser Form darstellen lässt." Zugegeben, das klingt einigermassen abstrakt, doch die zahlreichen Beispiele, die in diesem Werk angeführt werden, sind einleuchtend und bestens nachvollziehbar.
Einer der Schlüsse, die Gerd Ganteför aus seinen Überlegungen zieht, ist, dass die Trennlinie zwischen belebter und unbelebter Natur verschwimmt. Es ist dies eine Erkenntnis, die ich gelegentlich zu erfahren imstande bin. Und es ist eine, die unser herkömmliches Denken als das entlarvt, was es letztlich ist: Eine Gewohnheit zu denken, die notwendigerweise mehr über uns als über die Realität aussagt.
Fazit: Eine nützliche und überaus willkommene Horizonterweiterung.
Gerd Ganteför
Die Intelligenz des Universums
Die immaterielle Komponente der Wirklichkeit
Westend, Neu-Isenburg 2026





