„Ich
war wütend auf das Leben, auf viele Menschen und überhaupt auf
diese ganzen Lebensumstände. Ich war wütend, dass ich überhaupt
geboren worden bin und deshalb eines Tages sterben muss. Ich fand das
einfach unfair! Ich war auch wütend, weil meine Mutter so früh
starb, als ich noch so klein war ... Auch heutzutage bin ich immer
noch auf mich selbst wütend, wenn ich an alle die Versuche denke,
meine innere Wut zu verleugnen und zu verdrängen, nur weil ich
soviel Angst vor dieser Wut hatte ...“, zitierte Emma einen von ihr
geschätzten Therapeuten. „Schon mal von einem Arzt oder
Therapeuten derart Persönliches gehört? Ich nicht. Doch wozu soll
das gut sein? Weil viele Süchtige erst dann bereit sind, zuzuhören,
wenn sie merken, dass da einer weiss, wovon er spricht. Aus eigener
Erfahrung, nicht nur aus Büchern. Das meint nicht, dass man
Alkoholiker sein muss, um Alkoholikern helfen zu können (Veterinäre
wären sonst arbeitslos), das meint, dass Klienten/Patienten spüren
müssen, dass emotionale Identifikation (einer der Schlüssel für
eine Genesung) möglich ist.“
„Singst
du jetzt das Lied der Gefühle?“
„Tue
ich nicht, denn allzu oft führen sie einen auch in die Irre. Doch
ich misstraue intellektuellem Wissen, es ist gefühllos. Es kann
einem den emotionalen Schmerz nicht nehmen.“
„Und
was hilft deiner Meinung nach gegen den emotionalen Schmerz?“
„Für
mich hat es der gerade zitierte Therapeut am besten gesagt; 'Was mir
noch am ehesten geholfen hat, mich wohl zu fühlen, ist das simple
Akzeptieren aller Höhen und Tiefen, die mein Leben so mit sich
gebracht hat. Ich bin wie das Wetter da draussen, wie die Natur. Ich
gehe durch meine Jahreszeiten und wenn ich einfach akzeptiere, welche
Jahreszeit da gerade auf meinem Herzen liegt, dann kann ich mich
damit abfinden und mich damit arrangieren. Ich musste lernen, den
Versuch aufzugeben, aus einem grauen Wintertag ein Sommererlebnis zu
machen – und zulassen und aushalten lernen, dass das manchmal
wehtut.'“

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