Ich weiss es vermutlich schon länger, doch jetzt im Alter scheint es mir offensichtlicher bzw. nehme ich es deutlicher wahr: Was mir das Fernsehen zeigt, ist zumeist Selbstbeweihräucherung. Und diese ist bekanntlich typisch für unsere Zeit, in der positiv gesehen wird, dass es jemand versteht, für sich selber zu trommeln. Der Inhalt ist dabei vollkommen egal, nur die Aufmerksamkeit zählt.
Das ist kein neues Phänomen. In einer Churchill-Biografie lese ich, dass Winstons Vater sich ebenso an der Aufmerksamkeit bzw. der Mehrheit orientierte, „Seine Meinung bildete er sich nach Taxierung der Frage, was ihm am meisten Publizität verschaffen würde.“
Ob das Mehrheitsprinzip, sei es in Form von 'likes' oder im sogenannt demokratischen Prozess, wirklich so eine gute Idee ist? Sieht man sich die Resultate an, bin ich mir nicht so sicher. Nun ja, mundus vult decipi, wussten schon die alten Römer: Die Welt will betrogen sein.
Worauf ich meine Aufmerksamkeit richten will, kann ich beeinflussen. Und so habe ich mich vom Fernsehen weitestgehend verabschiedet, da sein Hauptzweck darin zu bestehen scheint, den Aufmerksamkeitsbedürftigen eine Plattform zu geben und mich von dem abzulenken, was gerade ist.
Sicher, es gibt Ausnahmen. Als ich letzthin bei 'Hardtalk', einer Sendung der BBC, hängen geblieben bin, wurde da ein mir nicht bekannter Schauspieler interviewt, der auf die Frage nach seinen Werten antwortete, für ihn seien nicht die Meinungen der Leute entscheidend, sondern wer sie äussere. So komme es vor, dass er mit Gesinnungsgenossen überhaupt nicht klarkomme, doch Menschen, die für Werte einstünden, die er überhaupt nicht teile, manchmal sympathisch finde.
Was schliesse ich daraus? Dass wir unseren Überzeugungen nicht zu viel Bedeutung beimessen und uns stattdessen aufs Beobachten und Betrachten verlegen sollten. Konkret: Unsere Aufmerksamkeit auf das Beobachten und Betrachten unserer Gedanken und Gefühle zu richten, bewirkt (jedenfalls bei mir; nein, nicht immer), dass ich das alles (das Leben, unsere Existenz und unsere Sinngebungsversuche) eigenartig, komisch, faszinierend, angstauslösend und vor allem unerklärlich finde.
Kein Wunder ziehen wir die Selbstbeweihräucherung vor. Allerdings nicht immer ...

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