Dass uns die Medien, diese Betäubungsanstalten, davon ablenken, uns mit unserem Leben zu beschäftigen, ist mir schon lange klar. Jedenfalls glaubte ich. Doch Einsichten, die ohne Konsequenzen bleiben, sind so recht eigentlich nutzlos.
Auch die Politik dient zuallerst der Ablenkung. Nichts, dass mich fassungsloser lässt, als dass niemand sich zu trauen scheint, dem genuinen Primitivling im Weissen Haus (mit dem sich so viele identifizeren können, dass man sich von der Vorstellung verabschieden muss, der Mensch sei ein zivilisiertes Wesen) entschieden Paroli zu bieten. Ganz im Gegenteil. Sie schenken ihm ihre Aufmerksamkeit, ja, hofieren ihn.
Doch was heisst das eigentlich, sich mit seinem Leben zu beschäftigen? Das ist individuell sehr verschieden, doch für mich heisst es, auf mich einwirken zu lassen, was gerade ist. Also einfach dazusitzen oder einfach zu gehen oder auch einfach dazuliegen. Kein aktives Tun? Doch, doch. Das, was vor der Nase liegt.
Wir können auch versuchen, unseren Gedanken die Richtung vorzugeben. Häufig funktioniert das nicht, dann kann man es erneut und wiederholt versuchen. Manchmal klappt es. Jedenfalls während des Tages, in der Nacht ist es eine andere Geschichte. Da erfahren wir dann, dass unser Bewusstsein eher selten am Ruder ist.
In meiner Wahrnehmung kommt es darauf an, mit welchen Gedanken ich mich beschäftige. Als ich heute zu ZA-ZEN, Die Praxis des ZEN von Taisen Deshimaru-Roshi griff (im Februar 1985 in Berlin gekauft, keine Erinnerung daran), stiess ich im Vorwort von Vincent Bardet auch auf diese Zeilen, die mich unvermittelt packten. Ich erlebte sie als hilfreich, deshalb teile ich sie hier:
"Was ist unser Leben? Wir haben keine Zeit mehr zu leben. Die Maschine beraubt uns eher der Freiheit, als dass sie uns befreit. Weder Hungersnöte noch Vernichtungskriege sind von der Erde verschwunden. Unsere Unruhe bekämpfen wir mit Beruhigungsmitteln oder betäuben sie mit Fernsehen. Der Komfort unserer abgeschirmten vier Wände schwächt unseren Körper, der Stress der Grossstadt überspannt unsere Nerven. Fortschritt ersetzt die Religion, Geld das Sakrament. Die Sorgen nagen an uns und die Angst erdrückt uns. Nachts schlafen wir schlecht. Am Tag sind wir nur halb wach. Wir denken an Nichtigkeiten. Wir hören nicht auf zu denken ...".
Genauso nützlich und wohltuend empfand ich diese einleitenden Ausführungen von Taisen Dehimaru. die mir für Momente das Dasein leichter machten.
"Der wahre Gott existiert. Er stirbt niemals, denn Gott bedeutet die höchste Wahrheit, oder die Grundenergie des Universums überhaupt. Gott existiert, doch die Menschheit ist vor ihm geflüchtet, die moderen Zivilisation hat der Ordnung des Universums vollständig den Rücken gekehrt. (...) Die höchste Weisheit erstrebt den Frieden, die Einheit, jenseits aller Relativität, Dualität und aller Gegensätze."

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