Sonntag, 5. April 2026
Reusch rettet die Welt!
Mittwoch, 1. April 2026
Letzte Tage mit Teresa von Ávila
Ihr sei aufgegeben, ihr Leben für die Schriftgelehrten aufzuzeichnen, und sie selber habe sich den Auftrag erteilt, "mein Leben für mich selbst aufzuschreiben, und so sammle ich mehr Leben zusammen als eine Katze.", notiert Teresa von Ávila bzw. Cristina Morales.
Doch wozu schreiben, wenn das, was man schreibt, von niemandem gelesen wird? "Ich kann mich der Welt nicht zeigen, und kann auch Euch die Welt nicht zeigen, wie ich sie meinem Verständnis nach beschreiben sollte; soll aber etwas gelesen werden, so muss es nach dem Geschmack des Lesers sein und nicht der Autorin. Ist das nicht merkwürdig?" Doch zu schweigen ist keine Option, da dies bedeutet, vor dem Teufel zu kuschen, "denn der möchte uns fein still haben, um uns bei sich zu halten, still und stumm will er uns, damit jedwedes Einflüstern von ihm uns entzücke. Still, stumm und eingesperrt, so sind wir Vieh auf direktemn Weg zum Schlachthaus."
Cristina Morales, 1985 in Granada geboren, zeichnet Teresa von Ávila als höchst eigenwillige Frau, als Kämpferin mit Humor und viel Sinn für Ironie. So findet sie ihren Vetter schlauer als den Teufel, doch das kann man nicht sagen, denn dafür könnte man bei lebendigen Leib verbrannt werden, "und darum werde ich sagen, María de Ocampo ist schlauer als eine Teufelin. Über Teufelinnen gibt es meines Wissens keine Theologie."
Die als Mystikerin bekannte Teresa gründete Klöster, schrieb wesentliche Werke, und hatte dauernd gegen Widerstände anzurennen, da in der damaligen Zeit (sie lebte von 1515 bis 1582) von den Frauen erwartet wurde zu schweigen. Doch sie wehrt sich: "Verdammte Mässigung, Vater! War Jesus etwa massvoll, als er verkündete, die Götter der Römer seien falsche Götter, war er massvoll, als er die andere Wange hinhielt, war er massvoll, als er die Händler aus dem Tempel vertrieb?"
Wer wie ich sich von diesem Werk Aufschlüsse über die Mystikerin Tersea erwartet bzw. erhofft hat, wird wohl etwas enttäuscht sein, doch dafür lernt man eine politische Teresa kennen, die vermutlich vor allem mit der Weltsicht der Autorin zu tun hat, schliesslich sehen wir die Dinge nicht, wie sie sind, sondern wie wir sind.
Die politische Teresa beweist Mut. Und sie ist radikal. "Nicht Armut, Pater Garcia. Radikale Armut. Nicht Verzicht auf Privateigentum, Verzicht auf jegliches, auch gemeinschaftliches Eigentum. Nicht um Almosen betteln, sondern hoffen, dass jemand zum Kloster kommt, um sie zu geben. Und wenn nichts kommt oder wenn nicht genug kommt, dann und nur dann arbeiten und diese Arbeit verkaufen, und der erhaltene Lohn geht an die Gemeinschaft, ohne Ansicht, von wem das Werkstück war."
Diese radkilae Sicht der Dinge steht einer Mystikerin wohl an, deren Einsichten ihr vor Augen geführt haben, dass die Welt, wie sie sie erlebt, falschen Autoritäten gehorcht. Die logische Folge ist, und davon handelt dieses Werk hauptsächlich, gegen die herrschenden Konventionen und für eine andere, gerechtere Welt zu kämpfen.
Revolutionäre unterscheiden sich bekanntlich selten von den Diktatoren, die sie bekämpfen. Teresa von Ávila ist anders. "Ich will niemandes Königin sein, nur von mir selbst. Mich so zu wollen, ist mich ganz zu wollen, Diego. Ganz und besser."
Letzte Tage mit Teresa von Ávila
Matthes & Seitz Berlin 2026
Sonntag, 29. März 2026
The Power of the Mind
Abgesehen von der Unsitte, ein deutsches Buch mit einem englischen Titel zu versehen, ist dies ein verständlich geschriebenes, gelungenes Werk. Einleitend legt die Autorin, die im schwedischen Linköping lehrt, Grundlegendes dar: Die Politik ist "zum grössten Teil eine Inszenierung geworden." Dank der Medien, wie ich gleich hinzufügen will. So neu ist das übrigens nicht: Mein eigenes Werk Inszenierte Wahrheiten erschien bereits 2011. Zu dieser Inszenierung gehören wesentlich die Gefühle. "Emotionen sind in der modernen Welt weniger ein innerer Kompass als vielmehr ein Marktwert. Emotionen werden dargestellt, geteilt und gezielt manipuliert."
Der Mensch wusste zwar noch nie, wer er ist, doch seit die Unübersichtlichkeit täglich zunimmt, weiss er es noch weniger, was sich auch darin manifestiert, dass psychische Erkrankungen und Störungen auf dem Vormarsch sind. Was Rebecca Böhme angesichts dieser Situation beschäftigt, ist die Frage, "wie wir erkennen, was aus dem Lot geraten ist, und wie wir mit eigener Kraft gegensteuern können. Nicht allein, um unser eigenes Wohlbefinden zu steigern, sondern auch, um Kräfte freizusetzen, die das Leben vieler verbessern – unser eigenes ebenso wie das unserer Mitmenschen." Ein ziemlich hoher Anspruch!
Die meiste Zeit unseres Lebens sind wir auf Autopilot unterwegs. Es gibt allerdings einen kleinen Zwischenraum zwischen Reiz und Reaktion, in dem wir Entscheide treffen können. Zur Illustration: Für den Alkoholiker ist dies die Zeitspanne zwischen dem Ergreifen des Glases und dem ersten Schluck. Rebecca Böhme: "Wenn wir diesen Raum erkennen, dann können wir wirklich wählen, dann können wir wirklich wirksam sein und etwas tun."
Sehr schön arbeitet die Autorin heraus, dass das Hirn kein neutraler Beobachter der Wirklichkeit, sondern ein Vorhersageorgan ist. Es ist antizipatorisch unterwegs, rennt uns dauernd davon, was auch dazu beiträgt, dass wir selten geistig da sind, wo wir uns physisch gerade befinden. Vorhersageorgan meint konkret: Das Gehirn nutzt sein Vorwissen und seine Erwartungen über die Welt, um sie zu verstehen. Anders gesagt: Wie wir die Welt sehen, wird bestimmt von dem, was wir wissen und erwarten. We do not see things as they are, we see things as we are, heisst es im Talmud.
"Wir können innere Autonomie und geistige Unabhängigkeit nur erreichen, wenn wir lernen, die Inhalte unserer Aufmerksamkeit bewusst wahrzunehmen, zu erkennen, und zu sortieren." Rebecca Böhme nennt dies Bewusstseinskultivierung, also "deine innere Landkarte aktiv und zielgerichtet zu gestalten." Das verlangt Übung, viel Übung.
Mich erinnert das übrigens an Sherlock Holmes, der der Auffassung war, dass das Aufnahmevermögen unseres Hirns begrenzt ist, weshalb wir denn auch gut überlegen sollten, welches Wissen uns dienlich und welches vollkommen unnütz ist.
Rebecca Böhme erläutert Begriffe wie Priming oder Framing, zitiert Studien, setzt sich kritisch mit den sozialen Medien, NLP oder dem Hype des maschinellen Gedankenlesens auseinander. Sie tut, was man an Universitäten eben so tut. Erfreulich und erfrischend ist, dass sie sich auch mit ihren persönlichen Erfahrungen einbringt.The Power of the Mind ist ein nützliches Buch.
In Anlehnung an Shunryu Suzukis Beginner's Mind weist die Autorin unter anderem darauf hin, dass es wesentlich auf die Geisteshaltung ankommt. Wer Offenheit anstrebt, muss lernen, seinen Geist zu leeren. "Es beginnt damit, jedem Moment frisch zu begenen, auch wenn du glaubst, ihn schon tausendmal erlebt zu haben. Doch in Wirklichkeit hast du das nicht, selbst, wenn es schon viele ähnliche Momente gab. Etwas ist immer anders, du bist immer anders."
Kognitives Verstehen genügt jedoch nicht, wir müssen erfahren, dass alles (inklusive unser Ich) in ständigem Fluss ist. Erfahren lässt sich etwa Atmung, Herzschlag und Verdauung, die alle ohne unsere bewusste Einflussnahme funktionieren. Sich dessen bewusst zu werden, hat das Potential unsere Wahrnehmung (von uns selbst, dem Leben und der Welt) zu verändern.
Die Autorin meint: "Gönne dir regelmässig einen Moment, in dem du dich fühlst, in dich hineinspürst. Deinen inneren Vorgängen folgst, spürst, wie du atmest, wo sich alle deine Glieder befinden, wie dein Herz von sich aus schlägt." So sinnvoll ich das auch finde, es ist eine Folgerung, die niemandem weh tut, niemanden aufstört und wohl kaum Konsequenzen haben wird. Mir ist das zu wenig. Ich will mehr als nur ein paar Momente. Deshalb übe ich.
Hier noch mein Lieblingssatz: "Die Natur, die wir selbst sind, in sich spüren, sagt mein Vater, der Philosoph Gernot Böhme." Je öfter desto besser.
Fazit: Ein gutes Buch, reich an vielfältigen Einsichten, die allerdings nur hilfreich sind, wenn sie auch umgesetzt werden. Und das geschieht, jedenfalls gemäss meiner Erfahrung, eher selten ...
Rebecca
Böhme
The Power of the Mind
Was die Kraft unseres
Denkens bewirken kann
C.H. Beck, München 2026
Mittwoch, 25. März 2026
Die Kunst des metaphysischen Trinkens
Sonntag, 22. März 2026
I'd rather not
Integration has become one of these terms that are rarely questioned. Most of us think it normal that foreigners who wish to live in the country we grew up in need to adapt to "our" system. As far as I'm concerned, 'though not a foreigner in this country, I'd rather not.
As a young man I could never imagine to become a valuable member of a social system that I deemed not only unfair (it favoured the ruthless, the inconsiderate, the indecent) but totally unattractive (it rewarded the vain, the egomaniacs, the spiritually empty).
The heroes of my youth were sportsmen, rock musicians, underground poets, the ones that I then perceived as outsiders. I never imagined them to become valued members of society ... but they did and nowadays hold opinions about pretty much everything that prevents us from having a life of our own.
Societal pressure was strong and not without promise. Why I did not succumb to it like most of the sportsmen, rock musicians, and underground poets of my youth. I guess it's to do with personality.
Personality is what we come to life with. It is not something we choose and thus not something we can be proud of. What makes us the ones we are we are not responsible for. Nevertheless, we do have the ability to go along with it or to fight it.
Most people, it seems to me, do not indulge in such ponderings. I do not have the foggiest idea why I do so but I'm very much in tune with it.
Mittwoch, 18. März 2026
On Gratitude
Sonntag, 15. März 2026
Finally, ready for the now
There is a Shakespeare sentence I'm very fond of: The readiness is all. On Friday, 13 of March 2026, in the Brazilian town of Porto Alegre, I became even more fond of this insight for I realised that you can be ready without being aware of it.
I've always been convinced that the right time to live is right now. That wasn't however what I practised, what I practised was almost always (with the exception of sex): Not now!
Friday, 13 of March 2026, was my last full day in Porto Alegre before returning to Switzerland. I went into a bookstore with the intention to buy a thriller in Portuguese that would help to improve my language skills. Instead, I ended up with a tome by Kathleen Norris (O caminho do Claustro) I had thought to have once read in English (it was however another one [Dakota: a spiritual geography] that also happened to take place in a Benedictine monastery.)
Back in my hotelroom, I started to read (with the help of Deepl). After a while it dawned on me that this was extraordinary (for me, that is) for it is incredibly rare that I'm reading a book right away, and it is even more rare to make an attempt to improve my Portuguese a day before departing Brasil, this time probably for good.
What I find most remarkable about all this seemingly banal occurence: I'm doing this, it seems to me, because I enjoy learning, I'm not doing it with any goal in mind. I've always thought that the process is all that matters. Finally, I can feel it.
No, this is not entirely new to me. I remember it from playing football in my youth, from singing in a rock band, from playing guitar, from skiing, from being in love. What is however new, or so it seems, is my awareness of being present. And, to enjoy it.
Mittwoch, 11. März 2026
Sabedorias Brasileiras
Cada um no seu quadrado
Venha o que viera
O que tiver que ser, será
Sonntag, 8. März 2026
Von der Wut
Mittwoch, 4. März 2026
Die Schnecke ist langsam, aber nie zu spät
Sonntag, 1. März 2026
The most important relationship
Zurich 27 Oktober 2007
The most important relationship we can all have is the one you have with yourself, the most important journey you can take is one of self-discovery. To know yourself, you must spend time with yourself, you must not be afraid to be alone. Knowing yourself is the beginning of all wisdom.
Aristotle
Mittwoch, 25. Februar 2026
Selbstbeweihräucherung
Ich weiss es vermutlich schon länger, doch jetzt im Alter scheint es mir offensichtlicher bzw. nehme ich es deutlicher wahr: Was mir das Fernsehen zeigt, ist zumeist Selbstbeweihräucherung. Und diese ist bekanntlich typisch für unsere Zeit, in der positiv gesehen wird, dass es jemand versteht, für sich selber zu trommeln. Der Inhalt ist dabei vollkommen egal, nur die Aufmerksamkeit zählt.
Das ist kein neues Phänomen. In einer Churchill-Biografie lese ich, dass Winstons Vater sich ebenso an der Aufmerksamkeit bzw. der Mehrheit orientierte, „Seine Meinung bildete er sich nach Taxierung der Frage, was ihm am meisten Publizität verschaffen würde.“
Ob das Mehrheitsprinzip, sei es in Form von 'likes' oder im sogenannt demokratischen Prozess, wirklich so eine gute Idee ist? Sieht man sich die Resultate an, bin ich mir nicht so sicher. Nun ja, mundus vult decipi, wussten schon die alten Römer: Die Welt will betrogen sein.
Worauf ich meine Aufmerksamkeit richten will, kann ich beeinflussen. Und so habe ich mich vom Fernsehen weitestgehend verabschiedet, da sein Hauptzweck darin zu bestehen scheint, den Aufmerksamkeitsbedürftigen eine Plattform zu geben und mich von dem abzulenken, was gerade ist.
Sicher, es gibt Ausnahmen. Als ich letzthin bei 'Hardtalk', einer Sendung der BBC, hängen geblieben bin, wurde da ein mir nicht bekannter Schauspieler interviewt, der auf die Frage nach seinen Werten antwortete, für ihn seien nicht die Meinungen der Leute entscheidend, sondern wer sie äussere. So komme es vor, dass er mit Gesinnungsgenossen überhaupt nicht klarkomme, doch Menschen, die für Werte einstünden, die er überhaupt nicht teile, manchmal sympathisch finde.
Was schliesse ich daraus? Dass wir unseren Überzeugungen nicht zu viel Bedeutung beimessen und uns stattdessen aufs Beobachten und Betrachten verlegen sollten. Konkret: Unsere Aufmerksamkeit auf das Beobachten und Betrachten unserer Gedanken und Gefühle zu richten, bewirkt (jedenfalls bei mir; nein, nicht immer), dass ich das alles (das Leben, unsere Existenz und unsere Sinngebungsversuche) eigenartig, komisch, faszinierend, angstauslösend und vor allem unerklärlich finde.
Kein Wunder ziehen wir die Selbstbeweihräucherung vor. Allerdings nicht immer ...
Sonntag, 22. Februar 2026
The addictive personality
„An addictive personality is not a diagnosable disease or condition. There isn't one single trait that leads to addiction. Instead, this term is used to informally describe a collection of characteristics, environmental factors and health conditions that make a person more prone to developing an addiction“, the website of the Mayo Clinic says.
I use the term "addictive personality" to describe people who believe that too much of a good (or a bad) thing is never enough, as well as people, such as myself, for whom an all or nothing or black and white approach respectively is often liberating.
I drink or I don't, there is nothing in between that I'm able to handle. Most recently, it often happened that when consuming the news I felt strangely incapable of keeping up an inner balance – it made me so angry that I now believe I have to totally abstain from the news.
For most of my life I did regularly consult the news, several times a day. I felt it important to know what is going on in the world. I occasionally wondered why I should know what happened in Syria, Great Britain or in LA yet that didn't change anything. I continued to fill myself up with information that had never a direct impact on my life. Or so I thought …
The present world situation changed that. To watch on a daily basis the primitive spectacle called politics performed by men and women without convictions (only interests) made me feel like constantly throwing up. Until, one night, I simply could not stand it anymore. I stopped surfing internet sites dealing with politics. When inadvertently I click on such a site, I quickly leave – I do not permit myself to spend time with what many (including me, for a very, very long time) consider important things to know.
How was it possible, I wondered, that for most of my life I had paid attention to attention seeking addicts, so spiritually empty that it hurts? What the hell made me follow people who only fought for privileges and money? It is beyond me that I had been fooling myself for most of my lifetime.
Things that aren't good for me, I have to discard. Completely. Yes, but is not an option. Instead it's black and white. Needless to say, this was difficult to accept for I had always believed that things aren't black and white. Sure, many aren't. Some however are. To accept that feels liberating.
Two days into my newsless life, the voice in my head said you're exaggerating. By now I do however know that the voice in my head is not interested in my well-being but has a life of its own. It is not a life that I understand. What I however do understand is that the responsibility for my life lies with me.
I'm deciding now how to spend my time. It is quite a challenge to let go of lifelong habits – I do not shy away from it. Moreover, and to my surprise, it is also exciting. I listen to music, I look at plants, I listen to podcasts of thinkers. I believe it definitely preferable to reading about self-serving psychopaths who can't get enough of whatever. Although I've often preached this to others, it is only now I'm practising it myself.
Mittwoch, 18. Februar 2026
Everything in life is art
I think everything in life is art. What you do. How you dress. The way you love someone, and how you talk. Your smile and your personality. What you believe in, and all your dreams. The way you drink your tea. How you decorate your home. Or party. Your grocery list. The food you make. How your writing looks. And the way you feel. Life is art.
Helena Bonham Carter
Sonntag, 15. Februar 2026
Medien-süchtig
Seit ich mich nicht mehr regelmäßig mit Online-Nachrichten, sei es in Sachen Politik, sei es in Sachen Kultur, befasse, was ich fast ein Leben lang mehrmals täglich getan habe, fühle ich mich auf eine Art befreit, die neu für mich ist.
Als ich diese neue Erfahrung mit den Teilnehmern des Englisch-Intensiv-Kurses, den ich zur Zeit unterrichte, teilte, lernte ich, dass ich nicht der Einzige bin, der sich von dem Medien-Diktat verabschiedet hat, nur dass offenbar keiner so lange gebraucht hat, sich davon zu befreien wie ich. Sicher, ich hatte diese Abhängigkeit auch weit intensiver und viel länger gepflegt.
Zugegeben, ich habe gestaunt und mich auch etwas gewundert, dass ich Jahrzehnte gebraucht habe, um endlich umzusetzen, was ich schon ganz viele Jahre, allerdings bloss theoretisch, gewusst habe: Ich bin Medien-süchtig. Ich habe ausgiebig darüber geschrieben, Konsequenzen hatte es keine. Bis ich vor einigen Wochen, einfach so, von einem Moment zum andern, die Reissleine gezogen habe und mich von meinen gewohnten Medienkonsum verabschiedet habe.
Mittlerweile lese ich nur noch die Headlines und weiss dann, dass ich mir das wirklich nicht anzutun brauche. Und entdecke, dass das Leben noch weit eigenartiger und verwirrender ist als ich es bisher wahrgenommen habe.
Mein Medienkonsum war mir auch immer Stütze und Orientierung gewesen. Mit dem Wegfall dieser Krücken hat mein Tag keine Struktur mehr. Ich suche auch keine, lasse mich von meinem Unbewussten treiben. Das war zwar immer schon so, doch jetzt beobachte ich, so gut ich es vermag, wie dieses Unbewusste mich trägt. Das Allermeiste kriege ich gar nicht mit, doch das Wenige, das ich wahrzunehmen imstande bin, haut mich regelrecht um: Gedanken und Empfindungen schiessen in einer Dichte und Geschwindigkeit durch meinen Kopf, dass einem schwindlig werden kann. Weder sind Trigger auszumachen, noch Anfang und Ende. Meine Logik kommt da nicht mit. Ich habe aufgegeben, nach Erklärungen zu suchen, gebe mich einfach hin. Auch dem Widerstand dagegen, der mich immer mal wieder einholt.
Mittwoch, 11. Februar 2026
On Solitude
They say that trials are given to a person according to his or her strength.
Solitude is granted to the strongest. This is the privilege of the morally mature.
For the weak, it frightens, embitters, exhausts, devastates, and destroys.
For the strong, loneliness is not a cause for depression, not a tragedy, but a conscious choice, time and an opportunity for self-development and self-knowledge, a comfort zone, a lifestyle, a breath of fresh air—or, more accurately, a place where they go to breathe.
It's also a character trait—the ability to demand nothing and expect nothing from others.
People who aren't afraid of solitude aren't afraid of anything at all.
They burned away their weaknesses long ago, becoming invulnerable to the machinations of others …
Found on Tumblr (vladimarinas-blog) on 28 January 2026
Sonntag, 8. Februar 2026
No more news!
I wish I had come earlier to the conclusion that the news don't do me any good, that they make me sick. Moreover, I'm dependent on them. In fact, I'm addicted to them.
The other day, while having numerous short glances at news websites, I all of a sudden got so angry that I had to turn the computer off. I'm not really sure anymore what triggered this reaction. I guess it had something to do with journalists or politicians who are always eager to blame somebody for something. Anyway, it doesn't really matter yet what I finally seemed to realise was that I wasn't anymore willing to listen to people who only care about themselves.
In 2003, Art Spiegelman, the graphic artist, was referred to in an article in The Independent: “He has banned himself from watching television - it makes him too angry.” I had often used this quote to explain my uneasiness when watching the news. Today, 23 years later, I seem to be finally ready to put into practise what I had so far "only known".
Only our actions reveal how we really think.
Mittwoch, 4. Februar 2026
On Habits
Sonntag, 1. Februar 2026
Eine Genesungsgeschichte
Mittwoch, 28. Januar 2026
Vemos o mundo como somos
Um homen se propoe a tarefa de esboçar o mundo. Ao longo dos anos povoa um espaço com imagens de províncias, de remos, de montanhas, de baías, de ilhas, de peixes, de habitações, de instrumentos, de astros, de cavalos e de pessoas. Pouco antes de morrer, descobre que esse paciente labirinto de linhas traça a imagem do seu rosto.
Ein Mann macht es sich zur Aufgabe, die Welt zu skizzieren. Im Laufe der Jahre füllt er einen Raum mit Bildern von Provinzen, Rudern, Bergen, Buchten, Inseln, Fischen, Behausungen, Werkzeugen, Sternen, Pferden und Menschen. Kurz vor seinem Tod entdeckt er, dass dieses geduldige Labyrinth aus Linien das Bild seines Gesichts nachzeichnet.
Jorge Luis Borges
Sonntag, 25. Januar 2026
Welcome. And Congratulations
Mittwoch, 21. Januar 2026
Hingabe versus Wissen
Am 22. November 2022, in Prag, auf dem Gang des Hotels, plötzlich das Gefühl: Alles stimmt. Ich halte inne, lasse das Gefühl nachwirken. Und bin verblüfft, für einen Moment zu erfahren, wonach ich mich schon lange sehne.
Im Fernsehen eine Sendung über das Universum, von der ich wieder einmal kaum etwas verstehe, ausser, dass es das Schicksal der Sterne ist, zu sterben.
What arises, ceases.
Wir wissen, dass wir sterben. Wieso hilft dieses Wissen so wenig?
Vielleicht, weil dieses Wissen unser Herz nicht erreicht, wir leben und nicht sterben wollen, uns entgegen unserer besten Einsichten ans Leben klammern, weder loslassen können noch wollen.
Manchmal scheinen wir das zu vergessen, uns zu vergessen, und machen damit möglich, dass wir uns dem Moment hingeben. Manchmal.
Sonntag, 18. Januar 2026
The Brain
Mittwoch, 14. Januar 2026
Der Tod der Wahrheit
Zuallererst: Es ist sehr gut geschrieben (und sehr gut übersetzt, von Sebastian Vogel) und es macht deutlich, dass der „Niedergang des rationalen Diskurses“ und der Abnahme der Wertschätzung des gesunden Menschenverstandes sowie der Fakten keineswegs mit Donald Trump begonnen hat (es ist nicht anzunehmen, dass dieser diese Einschätzung teilt). Und es zeigt auf, dass Chaos säen und das Bemühen um die Zerstörung des Staates auf Lenin (man erfährt übrigens auch Einiges über die heutige russische Propaganda) und die Nazis zurückgehen.
„Wir fahren schnell, und die Menschen wollen nicht sehen, was auf sie zukommt. Wir Wissenschaftler – wir sind die Scheinwerfer“, zitiert sie einen Doktoranden für Gletscherforschung, der in Grönland mit eigenen Augen gesehen hat, was der Klimawandel anrichtet. „Mundus vult decipi“, sagten die alten Römer, der Mensch will betrogen werden. Das ist nach wie vor so, denn wir ertragen die Wahrheit nicht. Offensichtlicher als heute war das nie, weshalb denn auch dieses Buch im Titel (Der Tod der Wahrheit) wie auch im Untertitel (Gedanken zur Kultur der Lüge) klar benennt, worum es heute geht. Nicht um Meinungsverschiedenheiten, sondern um die Weigerung, die Realität und unser Wissen über diese Realität zu akzeptieren.
Getrieben werden die Wahrheitslügner von Ignoranz und Egoismus. Zu behaupten, eine objektive Wahrheit gebe es nicht, ist leicht, den Gegenbeweis anzutreten ebenso – wäre alles nur Ansichtssache, gäbe es weder das Gravitationsgesetz noch den Tod. Und auch, dass Donald Trump ein ignoranter Egomane ist, gehört nicht zu den „fake news“, sondern ist eine objektive Wahrheit.
Michiko Kakutani verweist auf den Postmodernismus, den Narzissmus und den Aufstieg des Subjektivismus. „Mit dem Siegeszug der Subjektivität kam es zur Abwertung der objektiven Wahrheit: Meinung wurde gegenüber von Wissen bevorzugt, Gefühle gegenüber Tatsachen – eine Entwicklung, die sich im Aufstieg Trumps widerspiegelte und ihm Vorschub leistete.“ Diese Entwicklung begann Mitte des 20. Jahrhunderts, man denke an Norman Vincent Peales 'The Power of Positive Thinking' oder das kalifornische Esalen Institute – die Idee von Selbstverantwortung des Individuums für sein Schicksal hat da zum Teil groteske Züge angenommen.
Wenn alles nur noch Meinung ist, verschwindet die objektive Realität. Und wenn Loyalität und Gruppenzugehörigkeit als wichtiger bewertet werden als Fakten, heisst das letztlich, dass man nicht bereit ist, das Leben zu akzeptieren wie es ist (unsicher und sich stetig wandelnd). Wunderbar, wie Michiko Kakutani, den postmodernen Theoretiker Jacques Derrida auf den Punkt bringt: „Indem er sich auf die möglichen Widersprüche und Mehrdeutigkeiten eines Textes konzentrierte (und seine Argumentation absichtlich in verworrener, hochtrabender Prosa formulierte), leistete er einem extremen Relativismus Vorschub, der in seinen Auswirkungen letztlich nihilistisch war: Alles konnte alles bedeuten; die Absicht eines Autors spielte keine Rolle, ja, man konnte sie eigentlich nicht einmal erkennen; so etwas wie eine offensichtliche oder dem gesunden Menschenverstand entsprechende Lesart konnte nicht existieren, weil alles eine unendliche Zahl von Bedeutungen hatte. Kurz gesagt, so etwas wie Wahrheit gab es nicht.“
Natürlich gibt es die Wahrheit, die Wahrheit der Geburt und des Todes, der Freude und der Schmerzen. Es ist das grosse Verdienst dieses Buches, sich an Fakten zu orientieren, den grösseren Zusammenhang zu liefern, vom gesunden Menschenverstand Gebrauch zu machen und die Dinge beim Namen zu nennen. Scharfsinnig und informativ!
























