Mittwoch, 29. Juli 2026

Nicht jeder Erfolg adelt

Santa Cruz do Sul, 6 März 2025

In letzter Zeit habe ich immer mal wieder gestutzt, wenn ich in sogenannt renommierten Blättern las, dieser oder jener Rockmusiker, diese oder jene Popsängerin sei gestorben.

Für mich waren Rock- und Popmusiker einst der Inbegriff des Protestes gegen die etablierte Ordnung; heutzutage werden sie als Ehrengäste zum Staatsbankett geladen.

Mich stört das nicht, doch ich wundere mich, dass ich mich darüber wundere, denn nichts bedeutet in unseren eitlen Zeiten mehr als der Erfolg, auf welchem Gebiet auch immer.

Gemeint ist hier der gesellschaftliche Erfolg, den ich stets als leicht peinlich empfinde. Aufmerksamkeit, Gefeiert-Werden, Applaus – die meisten können doch gut ohne sein. Und die, denen das nicht gelingt, sollten an sich arbeiten, denn sich vom Urteil anderer („Followern“) abhängig zu machen, ist nicht gerade ein Zeichen der Stärke, auch wenn diese Abhängigkeit so recht eigentlich das kapitalistische System garantiert, das in der Gier des Menschen gründet und genau deshalb so erfolgreich ist.

Doch es gibt auch noch ein ganz andere Art des Erfolgs, die darin besteht, sich selber zu überwinden. Genauer: Seine Faulheit und seine Feigheit. Dieser Erfolg adelt.

Man müsse lernen, sich selber zu geben, was man sich von anderen erhoffe, habe ich von der Psychotherapeutin Margalis Fjelstad aus Colorado gelernt. Kein Rat, der besser geeignet wäre, einen ein Leben lang aktiv zu halten.

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