Mittwoch, 9. Januar 2019

Responsibility for ourselves

Caretaking: the act of taking responsibility for other people while neglecting responsibility for ourselves. When we instinctively feel responsible for the feelings, thoughts, choices, problems, comfort, and destiny of others, we are caretakers. We may believe, at an unconscious level, that others are responsible for our happiness, just as we're responsible for theirs.

It's a worthy goal to be a considerate, loving, nurturing person. But caretaking is neglecting us to the point of feeling victimized. Caretaking involves caring for others in ways that hamper them in learning to take responsibility for themselves.

Caretaking doesn't work. It hurts other people; it hurts us. People get angry. They feel hurt, used, and victimized. So do we.

The kindest and most generous behavior we can choose is taking responsibility for ourselves - for what we think, feel, want, and need. The most beneficial act we can perform is to be true to ourselves, and let others take responsibility for themselves.

Mittwoch, 26. Dezember 2018

The Merton Prayer

MY LORD GOD, I have no idea where I am going. 
I do not see the road ahead of me. 
I cannot know for certain where it will end. 
Nor do I really know myself, and the fact that I think I am following your will does not mean that I am actually doing so. 
But I believe that the desire to please you does in fact please you. 
And I hope I have that desire in all that I am doing. I hope that I will never do anything apart from that desire. 
And I know that if I do this you will lead me by the right road, though I may know nothing about it. 
Therefore I will trust you always though I may seem to be lost and in the shadow of death. 
I will not fear, for you are ever with me, and you will never leave me to face my perils alone.

Thomas Merton: Thoughts in Solitude.

Mittwoch, 19. Dezember 2018

Discipline

Children need discipline to feel secure; so do adults.

Discipline means understanding there are logical consequences to our behavior. Discipline means taking responsibility for our behavior and the consequences.

Discipline means learning to wait for what we want.

Discipline means being willing to work for and toward what we want.

Discipline means learning and practicing new behaviors.

Discipline means being where we need to be, when we need to be there, despite our feelings.

Discipline is the day to day performing of tasks, whether these are recovery behaviors or washing the dishes.

Discipline involves trusting that our goals will be reached though we cannot see them.

Discipline can be grueling. We may feel afraid, confused, and uncertain. Later, we will see the purpose. But this clarity of sight usually does not come during the time of discipline. We may not even believe we're moving forward. But we are.

The task at hand during times of discipline is simple: listen, trust, and obey.

Mittwoch, 12. Dezember 2018

Im Zeitalter des Wahnsinns

Das gegenwärtige Zeitalter ist wahnsinnig. Es ist besessen von einem Gefühl der Ortlosigkeit, einem Verlust an persönlicher Identität, einem Wechsel zwischen Sentimentalität und Wut, was man bei einem Patienten als Wahnsinn bezeichnen könnte. 

Walker Percy (1916-1990)

Mittwoch, 5. Dezember 2018

Feelings and Surrender

Surrendering is a highly personal and spiritual experience. 

Surrender is not something we can do in our heads. It is not something we can force or control by willpower. It is something we experience. 

Acceptance, or surrender, is not a tidy package. Often, it is a package full of hard feelings - anger, rage, and sadness, followed by release and relief. As we surrender, we experience our frustration and anger at God, at other people, at ourselves, and at life. Then we come to the core of the pain and sadness, the heavy emotional burden inside that must come out before we can feel good.

 Often, these emotions are connected to healing and release at a deep level. Surrender sets the wheels in motion. Our fear and anxiety about the future are released when we surrender. We are protected. We are guided. 

Good things have been planned. The next step is now being taken. Surrender is the process that allows us to move forward. It is how our Higher Power moves us forward. Trust in the rightness of timing, and the freedom at the other end, as you struggle humanly through this spiritual experience.

Mittwoch, 28. November 2018

Wir entwickeln uns durch Leiden


Hätten wir die Wahl zwischen Wohlbehagen und Bequemlichkeit (von den Ökonomen Eigennutz, von den Psychologen Zufriedenheit genannt) einerseits und Leiden andererseits, würden wir wohl kaum das Leiden wählen. So einleuchtend uns dies auch scheinen mag, es ist bei genauem Hinsehen verblüffend, denn wir entwickeln uns durch Leiden. Die entscheidenden Ereignisse, die unsere Persönlichkeit formen, sind in der Regel keine "Glücksmomente". Prägend scheinen vielmehr die leidvollen Erfahrungen zu sein.

Hans Durrer
Wie geht das eigentlich, das Leben? 
neobooks 2017

Mittwoch, 21. November 2018

Vom unerwarteten Vergnügen, nüchtern zu sein

Ob mich Bücher ansprechen, entscheidet sich manchmal nach dem ersten Satz, dem ersten Abschnitt oder den ersten Seiten. Manchmal aber auch erst nach fünfzig Seiten. Bei Catherine Grays Vom unerwarteten Vergnügen, nüchtern zu sein war es der erste Satz. Dieser zitiert Joan Didion, die einmal gesagt hat: "Ich weiss nicht, was ich denke, bis ich anfange, es aufzuschreiben." Genauso geht es mir nämlich auch.

Teilt jemand seine Geschichte, so ist das eine Einladung zur Identifikation. Und umso mehr, wenn diese Geschichte so direkt und offen erzählt wird, wie Catherine Gray es in Vom unerwarteten Vergnügen, nüchtern zu sein tut. "Ich habe einfach nie das Gefühl, die Wahl zu haben. Sobald ich was trinke, mache ich das richtig." Sie weiss zwar, dass sie zu viel trinkt, doch sie ist auch der Überzeugung, "dass das Trinken mein Leben mit Spass und Lachen erfüllte."

Eines Morgens erwacht sie hinter Gittern. In Brixton, Südlondon. "Ich sah mal eine Frau, die um zwei Uhr morgens in Brixton aus dem Bus stieg, sich niederhockte, mal kurz kackte und dann wieder in den Bus stieg, als wäre das die normalste Sache auf der Welt. Als wäre sie nur mal schnell ausgestiegen, weil sie ihre Einkaufstasche vergessen hatte. Exzessiv zu saufen war in Brixton kinderleicht. Ich habe Leute im Park gesehen, die sich volllaufen liessen. Brixton war das Babel Londons, wo man selbst als total Irrer nicht auffiel …". Und trotzdem war sie da wegen Trunkenheit und Störung der öffentlichen Ordnung verhaftet worden.

Sie nimmt sich vor, ihren Alkoholkonsum in den Griff zu bekommen, unternimmt dabei auch ungewöhnliche Schritte wie betrunkene Frauen nach Hause zu bringen, doch sie befindet sich auf einer Abwärtsspirale und wird schliesslich auch physisch alkoholabhängig. Nach etlichen Überzeugungsmomenten (so bezeichnet sie Momente, in denen ihr klar wird, dass es so nicht weiter gehen kann) kommt sie an ihren persönlichen Tiefpunkt. "Der Neuanfang verbirgt sich häufig hinter der Maske des schmerzhaften Endes", zitiert sie Laotse.

Nüchtern sein muss man lernen. Dabei geht es um eine grundlegende Wandlung. Catherine Gray gibt 30 Tipps für die ersten 30 Tage, die sie mit einem Zitat von Cynthia Occelli einleitet: "Damit ein Samenkorn sich vollkommen ausformen kann, muss es gänzlich zugrunde gehen. Seine Schale bricht auf, sein Innerstes tritt aus, und es wandelt sich grundlegend. Für jemanden aber, der Wachstumsprozesse nicht versteht, sieht es so aus, als würde es vollkommen vernichtet." Auf zwei der 30 Tipps will ich speziell hinweisen: "Ich behandelte mich selbst so, wie ich ein Baby behandeln würde", also wie ein fürsorglicher Elternteil. Und: "Ich habe mir immer wieder ins Gedächtnis gerufen, dass ein Gedanke mich nicht zum Trinken zwingen kann." Denn ein Gedanke ist nur ein Gedanke und keine vollendete Tatsache, deren Sog man willenlos ausgeliefert ist. 

Sie erzählt von der Zeit als sie gesoffen hat und davon, wo sie heute steht, war ihr jetzt wichtig ist. Dankbarkeit zum Beispiel. Dazu zitiert sie auch den Neurowissenschaftler Alex Korb: "Der entscheidende Punkt ist nicht die Empfindung der Dankbarkeit, sondern die regelmässige Ausschau danach. Sich erinnern, dankbar zu sein, ist eine Form emotionaler Intelligenz." Wer seine Dankbarkeit nicht pflegt, beraubt sich vieler positiver Gefühle, hat einmal ein lebenserfahrener Freund von mir gemeint. "Die Dankbarkeit verbessert den Schlaf. der Schlaf reduziert Schmerzen. Weniger Schmerzen heisst bessere Stimmung. Bessere Stimmung bedeutet keine Angst mehr."

Natürlich könne jeder behaupten, er habe sich geändert, schreibt Catherine. Und lässt dann zwei Freundinnen zu Wort kommen, die sie sowohl vorher als auch nachher erlebt haben. "Diese Geschichten waren hart, wichtig und unglaublich berührend. Es ist erschreckend, wie wenig von all dem tatsächlich bei mir haften geblieben ist."

Vom unerwarteten Vergnügen, nüchtern zu sein gibt viele Anregungen, vom Umgang mit Leuten, die Alkohol trinken zum nüchtern Daten. Und Catherine Gray macht nicht zuletzt klar, dass es ein Wundermittel nicht gibt. Was für den einen funktioniert, ist für die andere keine Option. Und was zu Beginn hilft, muss nicht auf ewig helfen. "Die entschiedene Frage lautet nicht: 'Bin ich Alkoholiker?' Verschieben Sie den Fokus auf: 'Wäre mein Leben schöner, wenn ich nüchtern bleiben könnte?' Wenn die Antwort darauf ein Ja ist, dann sollten Sie sich fürs Nüchternsein entscheiden."

Es gehört zu den Stärken dieses Buches, dass die Autorin offen und aufrichtig ihre Geschichte erzählt. Doch es sind nicht einfach Memoiren, die sie vorlegt, sondern sie lässt auch viele andere Stimmen zu Wort kommen, von Betroffenen zu Wissenschaftlern.Vom unerwarteten Vergnügen, nüchtern zu sein ist keine Nabelschau, sondern ein überzeugendes Plädoyer, ein selbstbestimmtes Leben zu leben.

Catherine Gray
Vom unerwarteten Vergnügen, nüchtern zu sein
Frei und glücklich – ein Leben ohne Alkohol
mvgverlag, München 2018