Mittwoch, 14. Oktober 2015

Stop Caretaking the Borderline or Narcissist

"Being in a relationship with a borderline/narcissist can be intoxicating, full of spontaneity, exciting, and thrilling. You may feel deeply needed and super important to him or her. At the same time, this life is all about them and none about you. You may have even lost sight of who you are and what you want, and your own interests, feelings, and needs."

In other words, a relationship with a borderline/narcissist (BP/NP) is far, very far from being a healthy one. "A healthy relationship gives you energy, helps you feel relaxed, and makes you feel wanted and comfortable just the way you already are." A relationship with a borderline/narcissist is pretty much the opposite.

Borderlines and narcissists, according to Margalis Fjelstad, appear "like a pair of opposites on the outside. The borderline acts emotionally more negative, less social, less predictable, and more dependent. The narcissist acts more friendly, outgoing, outrageously optimistic, fantastically competent, and in control."

What they share is "low self-esteem, fear, anxiety, paranoia, and deep emotional pain from a sense of 'not feeling good enough.'" Moreover, "both use many of the same defense mechanisms: blaming, projection, devaluing, idealization, splitting, denial, distortion, rationalization, and passive-aggressiveness."

Why do borderlines and narcissists need caretakers? Since they do not have a healthy sense of self, the world to them is scary. And so they need somebody who listens and cares and creates "a world that is no longer scary", argues Margalis Fjelstad, who characterises the caretaker role as "equivalent to being a full-time, unpaid therapist".

Not all caretakers are alike (neither are borderlines and narcissists) and their involvement levels might differ considerably. There are however characteristics that many do share. Among them might be fear of anger. "Fear of anger puts you at the mercy of the BP/NP who has no fear of expressing his or her feelings and even blaming them on you." Or, the deep-seated yet delusional belief that reason is the solution. "The truth is that the BP/NP is unable to consistently respond logically."

Caretakers are as much in denial about his or her situation as the BP/NP. "How much energy and time are you spending covering up the reality that you are in a relationship with a mentally ill person, all the while pretending that your partner is 'normal' and that your drama-laced interactions are 'normal'? The fantasy that the BP/NP is just like everybody else, only 'more intense,' is a mystification."

Part of the problem with personality disorders is that "people who have them cannot perceive the changes needed, they feel threatened by change, and they often don't follow through with the changes needed."

Fact is, you can't force anyone else to change, you only have the power to change yourself. "You have been looking for a way to have more power in this relationship ... You have been focusing in the wrong place."

Acceptance is key. "You cannot change the BP/NP. You must accept the fact of your limitations, and you must accept the BP/NP just the way he or she is."

Again and again, Margalis Fjelstad stresses that the BP/NP suffers from a serious mental illness. "As long as you stay in the Caretaker role, you are reinforcing the insane, dysfunctional behavior of the BP/NP."

So what is there to do?
First of all caretakers need to give to themselves what they are giving to the BP/NP. "Self-care sets up a reverse scenario. That is, you fill yourself up until you don't need the other person to fill you up. Then, whatever you give will come from a place of abundance rather than neediness ... It honors and respects your own needs and individuality, as it honors the BP/NP for who he or she is."

Stop Caretaking the Borderline or Narcissist is refreshingly no-nonsense, provides lots of useful hints on how to put this self-care model into practise while at the same time informing thoroughly and in no uncertain terms about the BP/NP's view of the world. It is a most helpful book!

Margalis Fjelstad
Stop Caretaking the Borderline or Narcissist
How to End the Drama and Get On with Life.
Rowman & Littlefield Publishers, Inc.
Lanham ° Boulder ° New York ° London

Mittwoch, 7. Oktober 2015

Drogen und ihre Nutzer

"Eine kleine Geschichte des Drogenkonsums – so fragmentiert, als hätte man selbst nicht mehr alle Sinne beisammen", hat die Süddeutsche Zeitung Breites Wissen ... nachgelegt von Ingo Niermann & Adriano Sack treffend charakterisiert. Und der Verlag informiert: "Die komplett durchgesehene, um 50% erweiterte Neuauflage des 2007 erstmals erschienenen Klassikers Breites Wissen ist noch um vieles einmaliger; viele neue Drogen, viele neue Nutzer, viel neues Wissen in neuer, noch rauschhafterer Gestaltung."

Das ist schön gesagt und sicher wahr, obwohl, ich kann das nicht wirklich beurteilen, ich kenne den Klassiker von 2007 (und da dachte ich immer, bis etwas zum Klassiker werde, müssten schon etwa zehn Jahre vergehen ...) nicht. Andererseits haben seither sowohl Drogen als auch Nutzer zweifellos zugenommen, schliesslich leben wir in einer Konsumgesellschaft, die sich ja – man höre nur den Wachstum, Wachstum fordernden Politikern zu – am "Immer mehr, und bitte von allem" orientiert.

Breites Wissen ... nachgelegt liefere "reines Entertainment und reine Information", lese ich unter anderem in der Verlagsinformation. Das stimmt nicht nur, das trifft es sogar sehr genau.

War die Einnahme von Drogen einstmals mit Avantgarde und Rebellentum verbunden, ist sie heutzutage so recht eigentlich normal. "Eine Fernsehserie über Tony Blairs New Britain wäre so wenig ohne Kokain denkbar wie 'Mad Men' ohne Zigaretten und harte Drinks." Und, so die beiden Autoren: "Die meisten, die heute illegale Drogen nehmen, sind nicht süchtig."

Das meint nicht, dass Breites Wissen ... nachgelegt den Drogenkonsum propagiert, es bietet ganz einfach eine recht ungewöhnliche Sicht auf die seltsame Welt der Drogen und ihrer Nutzer, wie der Untertitel so schön heisst: unterhaltend, witzig und informativ. Unter dem Titel "Drogen kann man nicht besiegen" wird unter anderem die Meinung vertreten, dass die Legalisierung der Drogen sinnvoll wäre. Und überhaupt, und auch das steht in diesem Buch: "Drogen müssen nicht sein."

Was man hier vorfindet ist ein Sammelsurium von gänzlich Unterschiedlichem. Klatsch (Prominente und ihre Drogenprobleme) und Kuriosa (eine Auflistung der deutschsprachigen Kokainlieder), eine kleine Drogenkunde wie auch Angaben über "angebliche Höchstdosierungen, die überlebt wurden" (falls nicht, wären sie schwer zu berichten gewesen), literarische Drogenklassiker sowie Fantasie-Drogen aus Literatur, Film und Fernsehen.

Breites Wissen ... nachgelegt ist ein wunderbar unterhaltendes Buch; selten, dass man dermassen amüsant über Drogen und ihre Nutzer (insgesamt 34 werden porträtiert) aufgeklärt wird.

Als Nutzer Nummer 23 figuriert Brian Wilson, dessen Autobiografie offenbar von seinem Therapeuten Eugene Landy mit Hilfe eines People-Redakteurs geschrieben wurde, "um ein möglichst positives Bild von seiner Arbeit zu vermitteln." Übrigens nimmt der 1942 geborene Wilson heute "nur noch milde Psychopharmaka, komponiert und geht auf Tournee. Er gilt als 'gut eingestellt'".

Breites Wissen ... nachgelegt ist auch auf vielfältige Art lehrreich. Und ganz besonders – jedenfalls für mich – die Rubrik "Bedeutende und weniger bedeutende Theorien, die unter Drogeneinfluss entstanden". Dazu gehören neben den Selbstbetrachtungen des Marc Aurel (Opium – daher sein stoischer Gleichmut) auch die Psychoanalyse des Sigmund Freud ("Unerschütterlich ist der Glaube des vom Kokain Berauschten, er müsse sich nur mit allem, was ihm durch den Kopf geht, vor einem Gegenüber offenbaren, dann werde alles gut").

Wussten Sie übrigens wogegen Heroin hilft?
Husten, schlechte Laune, Aggressivität, Angst, Schmerzen, Schlafstörungen, Durchfall, Übergewicht, Atmen, Folterqualen, Lügen.

Und noch dies: es gibt in dem Buch auch eine Rubrik "Drogenfreie Musiker". Aufgeführt ist darunter gerade mal ein Name: Frank Zappa. 

Fazit: Ein Genuss. Unbedingt empfehlenswert!

Ingo Niermann & Adriano Sack
Breites Wissen ... nachgelegt
Die seltsame Welt der Drogen und ihrer Nutzer
Rogner & Bernhard, Berlin 2015

Mittwoch, 30. September 2015

Alles im Leben ist wichtig

Ich glaube, alles im Leben ist wichtig. Der schlimmste Verlust wäre, nicht bei dieser grossen Party dabei gewesen zu sein. Ein befreundeter Priester erzählte mir einmal von den Erfahrungen, die er am Sterbebett vieler seiner Gemeindemitglieder gemacht hat. Es waren nicht ihre Sünden, die sie bereuten, sondern das, was sie im Leben verpasst hatten.

James Lee Burke

Mittwoch, 23. September 2015

Was Therapeuten falsch machen

"Der Kunst der Gesprächsführung und dem erfolgreichen Umgang mit kleineren Fehlern oder Schnitzern, die eine Beziehung belasten können, wird nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt", schreibt Arnold A. Lazarus, emeritierter Professor für Psychologie an der Rutgers University im Vorwort zu Was Therapeuten falsch machen.

Das erstaunt nicht wirklich, denn das Ziel akademischer Ausbildungen ist die Erlangung eines offiziell anerkannten Diploms und nicht die Befähigung zur Hilfeleistung bei realen Problemen.

"Der vielleicht beste Rat, den ich erhielt", schreibt Lazarus, "kam von einem Supervisor während meiner Assistenzzeit an einer Tagesklinik in London. 'Sei du selbst', sagte er, 'aber überprüfe deine Gefühle.'" Zweifellos ein guter Rat, doch dass ausgebildete Therapeuten nicht selber drauf kommen, erstaunt schon etwas.

"Wir sind zutiefst überzeugt, dass Behandlungsentscheidungen auf den besten verfügbaren Forschungsergebnissen basieren sollten", schreiben die Autoren von Was Therapeuten falsch machen, Bernard Schwartz und John V. Flowers.

Wer würde da auch widersprechen wollen? Nur eben: diese Überzeugung gründet in der Annahme, dass die therapeutische Arbeit eine von der Wissenschaft geprägte und damit messbar sei. Ich teile diese Auffassung nicht, halte standardisierte Vorgehensweisen für ungeeignet, um seelische Leiden zu behandeln.

Gleichzeitig finde ich Forschungsergebnisse oft nützlich. "Theoretische Ansätze sind kein 'religiöses Dogma'; sie in Frage zu stellen wenn neue Erkenntnisse vorliegen, ist also keine Blasphemie." So haben etwa Untersuchungen gezeigt, "dass Klienten, deren Therapeuten (oder sie an sich selbst) eine Co-Abhängigkeit festgestellt hatten oder die bei Testverfahren hohe Werte bei den Merkmalen des Syndroms erzielten, eher die Diagnosekriterien einer Persönlichkeitsstörung erfüllten."

Was Therapeuten falsch machen listet mehr als fünfzig Fehler auf. Das beginnt mit "Sie ignorieren die Stärken, Fähigkeiten und Ressourcen des Klienten" und endet mit "Die Kraft menschlicher Resilienz unterschätzen."

Bei nicht wenigen der aufgeführten Fehler staunt der Laie über die offenbar geringe Selbstreflexion einiger Therapeuten. Und auch darüber, dass die Autoren es nötig finden, für vollkommen Selbstverständliches Studien anzuführen. "Daraus lässt sich schliessen, dass wir Therapeuten genauso talentiert in Sachen Verleugnung, Selbsttäuschung und Rationalisierung (je nach Denkschule) sind wie unsere Klienten."

Nun gut, wir leben in Zeiten der Spezialisierung. Gesunder Menschenverstand ist da wenig gefragt, denn darauf lässt sich kein Fachgebiet aufbauen. Ausser natürlich, man versieht ihn mit einem möglichst gefragten Label wie zum Beispiel Therapie. "Am Ende ist alles eine Frage des Marketings", sagte mir mal ein Finanzspezialist aus New York.

Was Therapeuten falsch machen ist ein nützliches Buch, weil es auf Selbstverständlichkeiten aufmerksam macht, die allzu oft wenig selbstverständlich sind. Etwa dass Patient und Therapeut zusammenarbeiten müssen. Oder dass der Beziehungsaufbau wichtiger ist als die Technik.

Was mich überrascht hat: Was Therapeuten falsch machen ist zwischendurch auch ein unterhaltsames Buch. "Wie sollten wir – als Therapeuten – vorgehen, um einzuschätzen, wie die Klienten selbst ihre Probleme einschätzen? So wie Stachelschweine Liebe machen – mit grosser Vorsicht und auch mit einer ordentlichen Portion Skepsis."

Bernard Schwartz / John V. Flowers
Was Therapeuten falsch machen
50 Wege, Ihre Klienten zu vergraulen
Klett-Cotta, Stuttgart 2015

Mittwoch, 16. September 2015

Wer heute ein Diplom besitzt ...

Wer heute ein Diplom besitzt, das ihn dazu befähigt, Kinder zu erziehen, der kann es. Wer kein Diplom hat, kann es nicht. Fachwissen ist alles, die praktische Erfahrung zählt wenig. Das ist vor allem deshalb ein Problem, weil die Behörde damit sehr weit entfernt ist von ihrer Klientel. Sie besteht aus Fachleuten mit sauberen Lebensläufen. Diese entscheiden über Menschen, die ein Chaos haben. Eine Amtsperson mit Lebenserfahrung hat ein ganz anderes Einschätzungsvermögen, eine ganz andere Art, mit solchen Leuten zu reden. Ich beobachte auch, dass sich Kesb-Mitarbeiter gegenüber Süchtigen und ihren Angehörigen auf eine höhere Stufe stellen. Das machen sie wohl auch, um sich abzugrenzen. Aber es kann kontraproduktiv sein, weil sich das Gegenüber dann zurückzieht.

Michelle Halbheer
Autorin von "Platzspitzbaby"
in einem Interview im Zürcher Tagesanzeiger

Mittwoch, 9. September 2015

Leben mit Epilepsie

"Die Welt soll davon erfahren. Von Epilepsie. Von Epileptikern. Von Anfällen. Und von unserem am Ende doch ganz wunderbaren und meist furchtbar normalen Leben damit."

Sarah Elise Bischof ist zwanzig und hat gerade die Schule hinter sich, als sie einen Epilepsieanfall erleidet. Und dann noch einen. Und noch einen. Das sei jetzt zehn Jahre her, schreibt sie in ihrem Erfahrungsbericht, dem Roman Panthertage. "Um genau zu sein: zehn Jahre, neun verschiedene Antiepileptika, 24 Klinikaufenthalte in acht Kliniken, sieben ambulante Neurologen, zahllose Anfälle, Nebenwirkungen und EEGs".

Mit einem EEG werden die Gehirnströme gemessen. Dabei wird nach Auffälligkeiten gesucht. Man will herausfinden, ob die Medikation wirkt, oder ob "trotz der Medikation Unruhen bestehen. Auch bestimmte Herde können so lokalisiert werden."

Bei der Epilepsie handelt es sich um vorübergehende Funktionsstörungen im Gehirn, die epileptische Anfälle auslösen. Solche wirken häufig dramatisch, klingen jedoch meist nach wenigen Minuten ab.

Epilepsie assoziieren wohl die meisten mit "zappelnden und zuckenden, mit Schaum vorm Mund und verzerrtem Gesicht" Anfällen, doch gibt es offenbar "zahlreiche unterschiedliche Formen und nicht nur die eine Epilepsie."

Grundsätzlich könne man zwischen fokalen und generalisierten Epilepsien unterscheiden, schreibt die im schwedischen Malmö aufgewachsene und heute in München lebende Sarah Elise Bischof. "Bei einer fokalen Epilepsie ist im Gehirn ein bestimmter Herd auszumachen, in dem die Anfälle sich abspielen, manche auch ohne Bewusstseinsverlust. Bei den grossen, generalisierten – meinen – finden die Anfälle hingegen im gesamten Hirn statt."

Die Form, unter der die Autorin leidet, geht auf eine Fehlbildung in der Hirnrinde zurück und äussert sich in Krampfanfällen sowie dem Verlust des Bewusstseins. "Es gibt Dinge, die Anfälle mit sich bringen, an die ich mich gewöhnt habe. Doch das Gefühl, nach einem Anfall im nassen Bett aufzuwachen oder mehrere Stunden im eigenen Urin zu schlafen", sei jedes Mal so unangenehm wie beim allerersten Anfall.

Dann tritt Stefan in Sarahs Leben. Die beiden verlieben sich. Als sie ihm von ihrer Epilepsie erzählt, zeigt sich Stefan verständnisvoll, fühlt sich dann jedoch bei ihrem ersten Anfall völlig überfordert und nimmt Reissaus.

"Von Anfällen kann ich mich erholen. Von Stefans erniedrigendem Verhalten hingegen nicht. 'Er hat mich einfach so liegen lassen', hallt es Tag für Tag durch meinen Kopf." Doch will sie ihm sein Verhalten trotzdem nicht übel nehmen, denn: "Ich weiss, wie Anfälle aussehen, und wenn er das nicht ertragen kann, dann ist das menschlich und nur richtig, dass er ehrlich zu mir war."

Und wie kommt das Buch zu seinem Titel Panthertage? Das ist Sarah Elise Bischofs Bezeichnung für Anfallstage und Post-Anfallstage. "Ein Panther ist düster, geheimnisvoll, gefährlich aber ebenso stolz und stark. Anfälle brechen wie ein Raubtier aus dem Nichts, aus der Dunkelheit über mich herein, greifen mich an, drohen mich zu zerfressen. Diese Tage sind schwarz wie ein Panther und unheimlich und dennoch gehe ich aus allen überstandenen Panthertagen noch stärker und stolzer hervor."

Sarah Elise Bischof
Panthertage
Mein Leben mit Epilepsie
Eden Books, Berlin 2015

Mittwoch, 2. September 2015

Nothing is enough

I begin pacing back and forth, like a zoo animal. "Nothing is enough, nothing is ever enough. It's like there's this pit inside of me that can't be filled, no matter what. I'm defective."
"You're not defective. You're an alcoholic," he says, as if this neatly explains everything. Which, of course, it does.

Augusten Burroughs
Dry. A Memoir