Mittwoch, 19. Juni 2019

A ramshackle collection of coincidences

You see, dear reader, speaking frankly and without any intention to offend, you are a ramshackle collection of coincidences, held together by a desperate and irrational clinging. There is no center at all. Everything depends on everything else. Your body depends on the environment. Your thoughts depend on whatever junk flows in from the media. Your emotions are largely from the reptilian end of your DNA. Your intellect is a chemical computer that can't add up a thousandth as fast as a pocket calculator. And even your best side is a superficial piece of social programming that will fall apart just as soon as your spouse leaves with the kids and the money in your joint account, or the economy starts to fail and you get the sack, or you get conscripted into some idiot's war. To name this amorphous morass of self-pity, vanity and despair self, is not only the hight of hubris, it is also prove, if anyone needed, that we are above all a disillusional species. We are in a trance from birth to death. Brick the balloon and what do you get? Emptiness. Take two steps in the divine art of Buddhist meditation, and you find yourself on a planet you no longer recognize. Those needs and fears that you thought were the very bones of your being turn out to be no more than bugs in your software.

John Burdett: Bangkok Tattoo

Mittwoch, 5. Juni 2019

Trusting Ourselves

What a great gift we've been given - ourselves. To listen to ourselves, to trust instinct and intuition, is to pay tribute to that gift.

What a disservice not to heed the leadings and leanings that so naturally arise from within. When will we learn that these leadings and leanings draw us into God's rich plan for us?

We will learn. We will learn by listening, trusting, and following through. What is it time to do?... What do I need to do to take care of myself?... What am I being led to do?... What do I know?

Listen, and we will know. Listen to the voice within.

Mittwoch, 29. Mai 2019

Kleine Veränderungen mit grosser Wirkung

Als ich dieses Buch zur Hand nehme, frage ich mich unwillkürlich, ob es nach all den Büchern über Zen, die ich gelesen habe, wirklich noch ein anderes braucht. Doch, ja, denn obwohl ich, wie ich glaube, für mich Wesentliches über Zen begriffen habe, muss ich immer wieder daran erinnert werden, da ich allzu leicht und immer wieder vergesse (und neu akzeptieren lernen muss), dass Zen entscheidend im Üben besteht.

"'Zen' ist die grundlegende Lehre für das Leben der Menschen in unserer Welt. Anders gesagt, es ist eine Übung, eine Denkweise, und sie gibt Hinweise, wie der Mensch glücklich leben kann. Eine Schatzkammer für tiefe, aber leichte Lebensweisheiten."

Im Zen geht es darum, das eigene Dasein im Hier und Jetzt zu erfahren, einfach zu leben und damit wesentlich zu werden. Dazu ist erforderlich, Gewohnheiten ein bisschen zu verändern. "Probiere einmal, dir Zeit zu nehmen, gar nichts zu tun – wenn es dir nur zehn Minuten am Tag gelingt, genügt das schon." Das klingt leicht, doch wer es versucht hat, weiss, dass es das nicht ist, denn dauernd gehen einem Gedanken durch den Kopf, die einen in die Vergangenheit oder die Zukunft entführen.

Der 1955 geborene Priester, Zen-Garten-Architekt und Professor Shunmyo Masuno gibt in Zen Your Life viele praktische Hinweise, wie wir gut leben können. "Versuch, gerade wenn du viel zu tun hast, 15 Minuten früher aufzustehen als sonst (...) Und wenn du in Ruhe eine Tasse Tee oder Kaffee geniesst, betrachte den Himmel aus dem Fenster. Vielleicht hörst du kleine Vögel zwitschern."

Zen Your Life erinnert mich ständig an Offensichtliches, dem ich viel zu wenig Aufmerksamkeit schenke. Etwa dass jeder Tag anders ist. "Der Geschmack der Morgenluft, der Moment des Sonnenaufgangs, der Wind, der über die Wange streicht, die Farben der Bäume und die des Himmels, all das verändert sich ständig."

Kleine Veränderungen mit grosser Wirkung heisst der Untertitel und beschreibt damit genau, worum es in diesem handlichen Buch geht, das man nicht am Stück lesen sollte, sondern in kleinen Stückchen, am besten Tag für Tag. Das Ziel dabei ist, einfach zu werden. "In einem einfachen Leben geht es darum, die physischen und geistigen Lasten abzuwerfen. Das ist die Grundlage des Lebens nach dem Zen-Prinzip."

Zen Your Life ist in 4 Kapitel und insgesamt 100 Schritte unterteilt; es eignet sich bestens, den Tag mit jeweils einem der Schritte zu beginnen.

Fazit: Ein wirklich hilfreiches Buch!

Shunmyo Masuno
Zen Your Life
Kleine Veränderungen
mit grosser Wirkung
FISCHER Krüger, Frankfurt am Main 2019 

Mittwoch, 22. Mai 2019

Geschichten vom Verrücktwerden

Obwohl ich selber zu denen gehöre, die, wenn sie Deutsch sprechen, immer mal wieder einen englischen Ausdruck benutzen, finde ich die gegenwärtig grassierende Mode, deutschen Büchern englische Titel zu geben, mehr als nur daneben und besonders dann, wenn die englische Originalausgabe (wie im vorliegenden Fall) ganz anders lautet. Konkret: Der deutsche Titel heisst Into Madness, das englische Original Let Me Not Be Mad. Schon ziemlich "mad", das Ganze.

Das erste der drei Zitate, die dem Buch vorangestellt sind, verdeutlicht sehr gut, warum es in diesem Buch geht. "Ein Arzt, der den höchsten Grad der Empathie erreicht, würde zum Patienten werden: Die beiden Perspektiven würden verschmelzen." (Valerie Ugazio).

A.K. Benjamin ist kein Arzt, sondern klinischer Neuropsychologe, der über zehn Jahre in einem grossen Londoner Krankenhaus arbeitete und heute in Indien lebt, wo er eine Klinik für Kinder mit neurologischen Störungen aufgebaut hat.

Das vorliegende Buch ist eine Sammlung von Fallgeschichten von Menschen, die vor dem Zusammenbruch stehen. Gleichzeitig ist es die Geschichte des Autors selbst und die Aufklärung über die Art und Weise wie Ärzte und Psychologen arbeiten, ist einer der wesentlichen Gründe, weshalb dies ein ausgesprochen hilfreiches Werk ist. "Auch in unserem Beruf gilt: Nur was gemessen wird, wird auch angegangen."

"Wenn ein Mediziner versucht, eine Fallstudie zu verfassen, kann er genauso gut alles erfinden, so wenig hat sie mit dem zu tun, was wirklich im Untersuchungsraum vor sich geht. Wenn man, wie Philip Roth glaubt, sich in jemandem täuscht, bevor man ihn getroffen hat, sich wieder in ihm täuscht, wenn man ihn getroffen hat, und sich abermals in ihm täuscht, wenn man über das Treffen nachdenkt, dann kann man beim Schreiben praktisch bei null anfangen."

A.K. Benjamin erzählt von Trafo, einem bald zehnjährigen Buben, der Schmerzen nicht ausstehen kann und dessen Eltern seine Hilfe suchen. Den Buben selber kriegt er nie zu Gesicht, da dieser sich weigert, seine Eltern zu begleiten. Und er berichtet von Lucy, die fälschlicherweise mit Demenz diagnostiziert worden war – was ihn an seine eigene Fehldiagnose, die er als Jugendlicher erhalten hatte, erinnerte. "Das Etikett – so falsch es auch war – verfolgte mich, warf einen Schatten auf Gefühle und Verhaltensweisen, die für sich genommen völlig harmlos waren. Und eine weitere Dimension der selbsterfüllenden, bösartigen Energie, die solche (Fehl-))Diagnosen mit sich bringen: Ich glaubte, alle um mich herum würden mich ebenso sehen. Als hätte man mich einmal mehr abgehakt."

Und er erzählt noch von ganz vielen mehr Zum Beispiel von Michael und den Folgen seiner dramatischen Hirnverletzung, von Jane, deren Vater ihre Epilepsie peinlich war und auch von sich, seinen Überlegungen, Fragen und Zweifeln. "Ich spüre einen Druck auf der Brust. Neunzig Prozent der klinischen Psychologen – auch die Männer – sind weisse Mittelschichtfrauen. Manchmal fühlte ich mich entmannt. Auf der anderen Seite: Ärzte, Manager, Buchhalter; hyperbeschäftigte Kerle, die einem nicht in die Augen sehen können. Manchmal fühlte ich mich entweiblicht. Das war weit von dem entfernt, was ich mir erhofft hatte, als Lotte mir vor all den Jahren den Gedanken ins Hirn gepflanzt hatte."

Was Into Madness verdienstvollerweise klar macht, ist, dass wir alle im selben Boot sitzen, die Trennung von aussen und innen, gesund und krank, eine nicht nur willkürliche, sondern so recht eigentlich unmögliche ist. "Es gibt keinen Blick von aussen, keine Perspektive der dritten Person, nur "du" und "ich", sodass wir unsicher sind und uns auf gut Glück vorantasten."

Into Madness ist ein zutiefst aufwühlendes Buch, das lange nachhallt. Und ich bin froh drum. Nicht zuletzt, weil es eine so wesentliche Einsicht wie diese formuliert: "Das eigentliche Problem daran, sich verändern zu wollen, ist in Wirklichkeit, nicht man selbst sein zu wollen –  wenn man sich denn überhaupt verändern oder irgendetwas tun kann."

Ein grossartiges, ein wichtiges Buch!

A.K. Benjamin
Into Madness
Geschichten vom Verrücktwerden
Ullstein Extra, Berlin 2019

Mittwoch, 8. Mai 2019

Off The Hook

We can learn not to get hooked into unhealthy, self-defeating behaviors in relationships - behaviors such as caretaking, controlling, discounting ourselves, and believing lies.

We can learn to watch for and identify hooks, and choose not to allow ourselves to be hooked.

Often, people do things consciously or without thinking that pulls us into a series of our self-defeating behaviors we call codependency. More often than not, these hooks can be almost deliberate, and the results predictable.

Someone may stand before us and hint or sigh about a problem, knowing or hoping that hint or sigh will hook us into taking care of him or her. That is manipulation.

When people stand around us and hint and sigh about something, then coyly say, "Oh, never mind, that's not for you to worry about," that's a game. We need to recognize it. We're about to get sucked in, if we allow that to happen.

We can learn to insist that people ask us directly for what they want and need.

What are the words, the signs, the looks, the hints, and the cues that hook us into a predictable and often self-defeating behavior?

What makes you feel sympathy? Guilt? Responsible for another?

Our strong point is that we care so much. Our weak point is that we often underestimate the people with whom we're dealing. They know what they're doing. It is time we give up our naive assumption that people don't follow agendas of their own in their best interest, and not necessarily in ours.

We also want to check ourselves out. Do we give out hooks, looks, hints, hoping to hook another? We need to insist that we behave in a direct and honest manner with others, instead of expecting them to rescue us.

If someone wants something from us, insist that the person ask us directly for it. Require the same from us. If someone baits the hook, we don't have to bite it.

Mittwoch, 24. April 2019

Die Sehnsucht nach Sinn

Und dann änderte sich alles. Nicht etwa, dass sich etwas Dramatisches ereignet hätte. Auch nicht, dass er plötzlich eine neue Brille auf und bisher Vertrautes anders gesehen hätte. Er stellte nur ganz einfach fest, dass er nach dem Aufstehen sich nicht seinen Routinen hingab. Weder setzte er sich mit einer Tasse Kaffee vor den PC und las die 'New York Times' und die 'Washington Post' noch klickte er auf 'CNN' oder 'Politico' für seine tägliche Dosis Trump. Stattdessen legte er sich auf die Couch und las in Tomas Empedals Bergeners und wunderte sich, weshalb dieser Mann berühmt war und er nicht – der schrieb doch auch nicht viel anders als er selber. Als ob es darauf ankäme. Teil des Literaturbetriebs zu sein war entscheidend.

Er legte das Buch zur Seite, betrachtete die imposante sich im Wind wiegende Baumkrone vor dem geöffneten Fenster und gab sich seinen Gedanken hin.

Erst wenn sich eine Gewohnheit erschöpft hat, wird Neues ausprobiert.

To be receptive, we must not be so busy with what we can control that we fail to notice all the experiences, which are there for us. Our senses need to be open to see what is around us and hear what is in the air. We must breathe in the beauty and pain of life. When there is a message in our experiences, let us read it and not demand it fit our narrow, logical minds.

Hans Durrer
Harrys Welt oder Die Sehnsucht nach Sinn
Ansichten und Einsichten
neobooks, 2019

Mittwoch, 10. April 2019

Verändere dein Bewusstsein

Zwei ungewöhnliche neue Moleküle brachen um die Mitte des 20. Jahrhunderts über den Westen herein, notiert Michael Pollen in Verändere dein Bewusstsein – LSD und Psilocybin (der Wirkstoff in Magic Mushrooms). Beide Psychedelika fanden Eingang in Forschung und Therapie, doch ihre Schattenseiten (Horrortrips, psychotische Schübe, Selbstmorde) relegierten sie schon bald in den Untergrund. Doch dann, in den 1990er Jahren, begann sich eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern  und Psychotherapeuten erneut für sie zu interessieren und "ihr Potenzial zur Heilung psychischer Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen, Traumata und Sucht" zu erproben.

Ich bin skeptisch, finde Nüchternheit die beste Droge. Auch Michael Pollan ist skeptisch. "Meine vorgegebene Sichtweise ist die eines gelassenen Materialisten, der glaubt, dass Materie der Grundstoff der Welt ist und die physikalischen Gesetze, denen sie gehorcht, imstande sein sollten, alles, was geschieht, zu erklären. Ich gehe von der Annahme aus, dass die Natur alles ist, was es gibt, und tendiere zu wissenschaftlichen Erklärungen der Phänomene. Vor diesem Hintergrund bin ich auch empfänglich für die Begrenztheit der wissenschaftlich-materialistischen Perspektive und glaube, dass die Natur (der menschliche Geist inbegriffen) noch tiefe Geheimnisse birgt, gegenüber denen die Wissenschaft manchmal überheblich und ungerechtfertigt abweisend zu sein scheint."

Wie wir alle so will auch Michael Pollen sich nicht verändern, doch er ist neugierig. William James schreibt von ungeöffneten Türen in unserem Denken und notiert in Die Vielfalt religiöser Erfahrung: "Keine Betrachtung des Universums kann abschliessend sein, die diese anderen Bewusstseinsformen ausser Acht lässt." Michael Pollen beschliesst, die Türen wieder aufzumachen.

Albert Hofmann, der Basler Chemiker, war der Überzeugung, dass das LSD ihn gefunden hatte und nicht umgekehrt. Anlässlich der Feier zu seinem hundertsten Geburtstag äusserte er sich unter anderem so: "Das Gefühl der Mitgeschöpflichkeit mit allen Lebewesen sollte stärker in unser Bewusstsein dringen, damit wir zu den Rosen, den Blumen, der Natur, der wir angehören, zurückkehren können." Nichts, das notwendiger und dringender wäre!

Verändere dein Bewusstsein ist guter klassischer amerikanischer Journalismus  eine Ansammlung ungemein vieler Details, höchst ansprechend erzählt. Was dieses Buch ganz besonders auszeichnet, sind die grundsätzlichen und wunderbar anregenden Fragen, die es aufwirft: Gibt es Bewusstsein ausserhalb der Gehirns oder ist es, wie die meisten Wissenschaftler glauben, das Produkt unserer grauen Zellen?

Bill Richards, Psychologe und Religionswissenschaftler, gewann aus seinen psychedelischen Erkundungen die Überzeugung, dass das Heilige nichts ist, was wir erzeugen, sondern etwas, das irgendwo darauf wartet, entdeckt zu werden." Und "dass das Bewusstsein eine Eigenschaft des Universums und nicht des Gehirns ist."

Die Psychedelik-Forschung erfuhr jedoch Widerstand. "Psychedelika nährten die Gegenkultur, und die Gegenkultur untergrub die Kampfbereitschaft der jungen Amerikaner." Darüber hinaus fühlte sich die Gesellschaft generell bedroht. "Die unmittelbare mystische Erfahrung hat eine solche Macht, dass sie für bestehende hierarchische Strukturen bedrohlich sein kann."

Ganz besonders interessiert hat mich das Kapitel über Sucht, das Michael Pollan mit der Schilderung des Apollo 14 Astronauten Edgar Mitchell einleitet, der von einer mystischen Erfahrung berichtet, die er auf dem Heimweg hatte. Aus dem Cockpitfenster sah er alle zwei Minuten die Erde, den Mond, die Sonne, ja das ganze Himmelspanorama und ihn überkam"ein überwältigendes Gefühl des Einsseins, der Verbundenheit." Einen solchen "Überblick-Effekt" schilderten auch etliche Psilocybin-Versuchspersonen. Was einstmals wichtig für sie war, erschien ihnen plötzlich unwichtig.

"Sucht ist unter anderem eine radikale Form von Egoismus". Wer die (tiefe) Erfahrung macht, sich mit allem verbunden zu fühlen, wird die Welt (und sich) neu sehen, im besten Fall mit Ehrfurcht, die es jetzt auch in pharmakologischer Form, als Pille gibt. "Die überwältigende Kraft und das Rätsel der Ehrfurcht sind derart, dass die Erfahrung nicht ohne Weiteres nach unseren gewohnten Denkmustern interpretiert werden kann. Indem die Ehrfurcht dieses Gedankengerüst ins Wanken bringt, hat sie die Fähigkeit, unser Denken zu verändern."

Fazit: Unbedingt lesenswert!

Michael Pollan
Verändere dein Bewusstsein
Was uns die Psychedelik-Forschung
über Sucht, Depression,
Todesfurcht und Transzendenz lehrt.
Verlag Antje Kunstmann, München 2019