Sonntag, 22. Januar 2012

Fear and Anxiety

"It is very simple," he said. "If you have fear and anxiety and you talk to a friend, then those fears and anxieties are minimized and could even disappear. If you see them as an enemy, then you go into a state of denial and try to get as far away as possible from them."

Joseph Cardinal Bernardin
The Gift of Peace

Sonntag, 15. Januar 2012

Satori

A idéia para uma crônica me vem sempre como uma experiência de alegria, mesmo que o assunto seja triste. Ela aparece repentinamente, nos momentos mais inesperados, como a visão de uma imagem. O que tento fazer é simplesmente pintar com palavras a cena que se configurou na minha imaginação.

Sou psicanalista. Meu trabalho se baseia na escuta. Cada cliente fala e, ao fazer isso, me permite andar nas paisagens da sua alma. Ao escrever uma crônica faço o contrário: sou eu que ofereço as paisagens da minha alma aos olhos dos meus leitores. E eles, sem o saber, são os meus psicanalistas ...

O escritor não é alguém que vê coisas que ninguém mais vê. O que ele faz é simplesmente iluminar com os seus olhos aquilo que todos vêem sem se dar conta disso. E o que se espera é que as pessoas tenham aquela experiência a que os filósofos Zen dão o nome de "satori": a abertura de um terceiro olho, para que o mundo já conhecido seja de novo conhecido como nunca o foi.

Rubem Alves: O retorno e terno

Sonntag, 8. Januar 2012

Moving Forward

Alcoholics can never rest on their laurels. Unless they continue to move forward, rather than waiting for a Higher Power to do it for them and chart every step of the way, they will likely find themselves slipping back.

Arnold M. Ludwig
The Alcoholic's Mind

Sonntag, 1. Januar 2012

The changing of one's consciousness

The natural man is lazy, always tends to take the line of least resistance, and so, in this as in lesser matters, he does not get down to bedrock principles until he is compelled to.

There is only one way under the sun by which man can attain harmony, that is to say, health, prosperity, peace of mind – salvation, in the true sense of the word – and that is by bringing about a radical and permanent change for the better in his own consciousness.

Indeed, the changing of one's consciousness is in truth the only thing that is worth doing at all.

Emmet Fox: The Sermon of the Mount

Mittwoch, 28. Dezember 2011

Becoming teachable

In the long history of spirituality, those recognized as somehow spiritually „great“ have consistently been called „Teacher“ – they help others to learn, to become teachable. Spiritual teachers (who are never „experts“) do three things: First and foremost, they listen. Second, they ask questions. Third, they tell stories. Each practice reflects the acceptance of not having all the answers, and each teaches the essential truth of spituality's open-endedness.

Ernest Kurtz & Katherine Ketcham
The Spirituality of Imperfection

Sonntag, 25. Dezember 2011

Couch Fiction

Dieser Comic von Philippa Perry und Junko Graat erläutert wie eine Psychotherapie funktioniert; er tut dies auf amüsante, lehrreiche und überzeugende Art und Weise. "Ich habe Inhalte aus den Träumen tatsächlich existierender Personen mit deren Erlaubnis verwendet, aber abgesehen davon ist diese Geschichte frei erfunden". Trotzdem ist es "ein typisches Beispiel für eine psychotherapeutische Fallstudie". Die meisten Bilder werden ergänzt durch informative Fussnoten und so recht eigentlich lohnen schon diese allein die Lektüre.

Ein Beispiel:
"Für viele Menschen ist die Therapie der allerletzte Ausweg. Die meisten haben schon einiges ausprobiert, um sich zu ändern oder besser zu fühlen, wenn sie therapeutische Hilfe suchen. Pat möchte nichts versuchen, was James bereits versucht hat, deshalb fragt sie in dieser Richtung nach.*

Und gerade noch eins:
"Es hat keinen Zweck, dem Klienten gegenüber zu betonen, dass die Beziehung zwischen Klient und Therapeut der wichtigste Faktor in einer erfolgreichen Psychotherapie ist. Das klingt, ehrlich gesagt, beunruhigend. Entweder stellt sich diese Tatsache im Laufe der Zeit heraus, oder die Therapie läuft ohnehin aus dem Ruder."

"Couch Fiction" ist ein im besten Sinne aufklärerisches Buch. Weil es auf einfache und überzeugende Art Fragen beantwortet. Etwa warum eigentlich die meisten Therapeuten nach der Kindheit fragen. Oder wozu eigentlich die Nutzung von Träumen in der Psychotherapie gut sein soll. Oder warum es sinnvoll ist, wenn einem Süchtigen die Vor- und Nachteile seiner Sucht bewusst sind.

Das Medium des Comics zu verwenden, um in die Psychotherapie einzuführen, ist so recht eigentlich ein genialer Schachzug, denn in den Sprechblasen lässt sich sehr gut zeigen, was bei der Begegnung von Therapeut und Klient gesagt und was "nur" gedacht wird.

Der Comic wird ergänzt durch ein Nachwort von Andrew Samuels von der University of Essex, der unter anderem festhält: "Trotz aller Forschungsergebnisse herrscht kein Konsens darüber, welches die entscheidenden Katalysatoren eines therapeutischen Wandels sind." Vorausgesetzt ein solcher findet überhaupt statt, ist man da versucht hinzuzufügen.

Philippa Perry / Junko Graat
Couch Fiction
Verlag Antje Kunstmann, München 2011

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Alk

Ein gut geschriebenes, informatives und witziges Buch, bei dem ich ab und zu Tränen gelacht habe. Zum Beispiel bei diesem Abschnitt hier:

„Szene: Entgiftungsstation, Sitzungszimmer. Alle Patienten zusammengetrommelt, Auftritt dreier Abgeordneter einer Shg. (Selbsthilfegruppe). Das Dreigestirn bestand aus einer Frau und zwei Männern, von denen einer original aussah wie Spencer Tracy. Die Frau stellte sich vor als seit 16 Jahren trocken, sah dafür aber einen Hauch zu verquollen aus und hatte – wie später die Patienten aus der ersten Reihe berichteten – eine Fahne. Spencer Tracy sprach geordnet, appellierte an alle, unbedingt eine Shg zu besuchen, egal welche, Hauptsache Shg, obwohl er, Spencer, schon seit Jahren nicht mehr hingehe, aber es helfe enorm weiter. Danach erzählte er, wie das Verhältnis zu seiner Geschiedenen so läuft; man sei noch weiterhin befreundet, aber eigentlich melde sie sich nur noch bei ihm, wenn sie Geld brauche. Der Dritte ergriff das Wort und schilderte seinen Werdegang. Das heisst: vermutlich war es sein Werdegang. Denn dem Dialekt nach stammte er aus einem bisher unerforschten Teil der Eifel und war definitiv nicht zu verstehen bis auf die Brocken 'Führerschein' und 'Führerschein weg'.
Nach zwei Stunden torkelten wir zurück auf die Station. Manche waren empört über das Trio, andere für die sofortige Verleihung eines Kleinkunst-Preises.“

Simon Borowiak ist ein durch Erfahrung Gestählter, er weiss, wovon er schreibt – und genau deshalb lohnt sich die Lektüre. Und weil er schreiben kann. Und gute Vorschläge macht. So mag er zum Beispiel das Wort „Krankheitseinsicht“ nicht. Stattdessen plädiert er für „ALK-Bewusstsein.“ Der Unterschied? Bei „Krankheitseinsicht“ assoziiert er „ins Direx-Zimmer gerufen werden, Geständnis mit hängendem Kopf und Brief an die Eltern“. Und: „Auch durfte ich in Therapien erleben, wie kurzfristig entgleiste Hobby-Trinker so lange mit diesem Schlagstock traktiert wurden, bis sie mit gebrochener Stimme zugaben Alkoholiker zu sein (Was sie – wie die Zeit zeigte – gar nicht waren)“. Bei „ALK-Bewusstsein“ denkt er hingegen an Worte wie positiv, aktiv, selbstbestimmt und Entwicklung.

À propos ALK-Bewusstsein, unter diesem Titel hält Borowiak fest: „Ich habe nie davon gehört, dass jemand eine Zahnarztpraxis verlassen und – vor Schmerzen zusammengerollt wie ein saurer Hering – gerufen hätte: 'Der Arzt spinnt! Ich hab doch niemals eine Wurzelentzündung!'“ Besser kann man gar nicht illustrieren, worin ein Grundproblem der Alkoholsucht liegt, der Verleugnung.

Wer gegen seinen Alkoholismus angehen will, dem stehen keine Patentrezepte zur Verfügung. Das dürfte mittlerweile bekannt sein. In Borowiaks Worten: „Die erfolgreiche Behandlung ist russisches Roulette ...“ Das kommt der Wahrheit (wenn es sie denn geben sollte) ziemlich nahe.

In „Alk“ werden übrigens auch vielfältige Begriffe geklärt. Zum Beispiel „Komorbidiät“. Das meint: „Was war früher da – Ei oder Henne? Depression oder Sucht?“ Oder anders gefragt: Was ist die Hauptmeise und was die Kollateral-Meise? Manche Therapeuten glauben offenbar, solches unterscheiden zu können ...

Fazit: ein vergnügliches und lehrreiches Buch.

Simon Borowiak
Alk
Fast ein medizinisches Sachbuch
Wilhelm Heyne Verlag, München 2007