Mittwoch, 30. April 2025

On Gratitude

 "To be grateful for the good things that happen in our lives is easy, but to be grateful for all of our lives - the good as well as the bad, the moments of joy as well as the moments of sorrow, the successes as well as the failures, the rewards as well as the rejections - that requires hard spiritual work. Still we are only truly grateful people when we say thank you to all that has brought us to the present moment. As long as we keep dividing our lives between events and people we would like to remember and those we would rather forget, we cannot claim the fullness of our beings as a gift of God to be grateful for. Let us not be afraid to look at everything that has brought us to where we are now and trust that we will soon see in it the guiding hand of a loving God."

Henri Nouwen

Sonntag, 27. April 2025

Wieder werden

Wir rennen durchs Leben, unser antizipatorisch angelegtes Hirn treibt uns voran. Entschleunigen ist uns fremd, es sei denn, wir werden dazu gezwungen. Die Ärztin Magdalena Gössling wurde dazu gezwungen, durch einen Schlaganfall im Alter von 32, als sie mit ihrem zweiten Kind schwanger war. Sie muss sich (neben vielem anderen) auch daran gewöhnen, sehr langsam zu schreiben, was zur Folge hat: "Ich lerne, genauer hinzuschauen."

Detailliert beschreibt sie, wie sie ihren Schlaganfall erlebt, ohne anfänglich zu begreifen, dass es einer ist. "Mein Gehirn war längst ein anderes, es hatte mich verändert, und nichts war mehr wie gewohnt." Sie ist nicht mehr Ärztin, sondern Patientin; ihr Körper gehorcht ihren Gedanken nicht mehr.

Sie wird auf die Charité verlegt, kriegt Besuch von ihrem Partner, einem Neurologen, der Mutter (Krankenpflegerin von Beruf), mit der sie sich auch über die logopädische und ergotherapeutische Behandlung austauschen kann. Selber Patientin sein, lässt sie auch über ihr eigenes Verhalten als Ärztin reflektieren. Sensibel registriert sie, wie wichtig ihr echte menschliche Anteilnahme ist. Und auch ihre Wertvorstellungen erfahren eine Neuausrichtung. "Den Selbstwert nicht an Schnelligkeit und Leistung zu binden, ist für mich immer noch ein Lernprozess. Was es bedeutet, in einer auf Leistung, Umsatz und Wachstum getrimmten Welt schwer zu erkranken, das konnte ich vor meinem Schlaganfall nicht ermessen."

Sie kriegt alles mit, ist geistig da, doch sprechen kann sie nicht, sich mit Worten zu verständigen geht nicht. Eine Freundin besucht sie, der Bruder, die Schwester kommen vorbei, der Vater liest ihr vor. Selber lesen ermüdet sie und so schaut sie fern, bleibt bei Germany's Top Model hängen. "Es ist mir peinlich, dass ich solche Shows gucke. Ich weiss, dass sie hirnlos sind. Und ich will unbedingt zeigen, dass ich Hirn habe." Ihren Humor hat sie nicht verloren! Er zeigt sich auch in der Schilderung der grossen Visite nach der gelungenen Operation, bei der die Ärzte vor allem sich selber beglückwünschen.

"Ich habe überlebt. Jetzt kommt die Fleissarbeit. Ich muss Fuss fassen, weiter kämpfen", notiert sie. Bewegungs- und Sprachübungen, es ist anstrengend. Als sie das Schreiben übt, bemerkt sie, dass schon ein einzelner Buchstabe den Sinn verschiebt. "Ich schreibe Freude statt Freunde, Schmerz statt Scherz, Wut statt Mut." Was auch immer der Grund dafür sein mag (wenn es denn überhaupt einen Grund dafür gibt), dass Buchstaben Gefühle ausdrücken können, ist ein Wunder, das sich auch darin zeigt, dass unsere Erklärungen dafür recht dürftig wirken.

Dann kommt die Reha, Grad der Behinderung: fünfzig. Die Tage sind durchgetaktet; sie ist ehrgeizig, macht Fortschritte, und verzweifelt dennoch fast, denn sie vergleicht sich mit dem Vorher und dem Jetzt, doch der Schlaganfall hat sie im Kern erschüttert. "Motorisches Geschick, Kommunikationsfähigkeit und Flexibilität – alles ist vernichtend getroffen." Hält man sich die Schwierigkeiten vor Augen, welches das  Lesen auf ein mühsames Entziffern von Wörtern reduziert, lässt einen mehr als nur staunen, dass sie dieses Buch schreiben konnte.

Ihre Tochter kommt zur Welt, kurze Zeit später erleidet sie selber einen epileptischen Anfall. Magdalena Gössling bleibt wirklich nichts erspart, denkt es so in mir. Gleichzeitig beeindruckt mich ihr Lebenswille, ihre Kämpfernatur, ihre pragmatische Art mit dem, was ihr zustösst, umzugehen. Sie will wieder in ihren Beruf, die Handchirurgie, zurück – ermutigt wird sie nicht. Nur schon das hätte wohl viele in die Verzweiflung getrieben.

"Suche nach einem neuen Ich" ist ein Kapitel überschrieben. Aufgeben kommt für sie nicht in Frage. Doch sie weiss auch, dass sie loslassen muss. Dieses Wissen hilft nicht, es steht ihr im Weg. Ihre Widerstände sind mannigfaltig, ihre Aufrichtigkeit eindrücklich. Auch als sie dauerhafte Berufsunfähigkeit attestiert bekommt, gibt sie nicht auf. "Ich habe Launen, Gefühlsausbrüche, vor denen ich mich ekle und die mich beschämen." Als sie sich nach Monaten bewusst anderen Dingen zuwendet, beginnt sie, ihr Leben neu zu gestalten. Es ist ihre Auseinandersetzung mit Sprache, die ihr allmählich die Welt des Schreibens eröffnet. Aus der Handchirurgin wird eine Autorin.

"Das Leben ändert sich in einem Augenblick. In einem alltäglichen Augenblick." Dieses Zitat von Joan Didion, das treffender kaum illustrieren könnte, was wohl die Wenigsten auf dem Radar haben, hat Magdalena Gössling ihrem Erlebnisbericht vorangestellt, der dokumentiert, dass und wie wir unserem Schicksal ausgeliefert sind. Sie lernt zu akzeptieren, was sie nicht ändern kann, und bemüht sich, zu ändern, was sie zu ändern vermag. Sie lernt ihre Energie auf ein neues Leben zu richten. So recht eigentlich hat sie ihrem ersten Leben ein zweites hinzugefügt; ein Leben, das sie erst zu entdecken begann, als sie bereit dazu war, ihr erstes hinter sich zu lassen.

Wieder werden ist weit mehr als die berührende Schicksalsgeschichte einer Kämpferin, es ist auch eine selbstkritische und sensible Meditation darüber, dass nichts im Leben selbstverständlich ist. Und nichts garantiert ist. Wer weiss schon, was noch alles kommen wird?

Magdalena Gössling
Wieder werden
Eine Geschichte über Verlust und Erneuerung
Rowohlt Polaris, Hamburg 2025

Mittwoch, 23. April 2025

On Freedom

 When a cow decides to stop nursing her calf, she isn't rejecting it. She knows it's time for the calf to be on its own. Although the calf might feel rejected and puzzled at first, it soon adapts to its new independence and freedom.

When we feel rejected, it's useful to remember that whatever has caused us to feel this way might have nothing to do with us. It might be a reflection of what's happening with someone else, or just the end of a natural stage in life, as with the calf.

When we understand that others' actions toward us come from their own feelings, and that we don't cause their feelings any more than they control ours, we can free ourselves from a little bit of fear and self-hate. We can see what seems to be rejection as an open door, with our freedom on the other side.

Sonntag, 20. April 2025

Keine Zeit verlieren

Die 2018 verstorbene Science-Fiction Autorin Ursula K. Le Guin (geboren 1929) erhielt für diese Essaysammlung posthum den PEN/Diamonstein-Spielvogel Award for the Art of the Essay. Der erste dieser Essays handelt von einem Fragebogen der Universität Harvard, in dem sie unter anderem gefragt wird, ob sie ihre geheimen Wünsche auslebe (sie hat keine), und womit sie ihre Freizeit verbringe (die Auflistung beginnt mit Golf). "Ich bin ein freier Mensch, aber freie Zeit habe ich nicht. Meine Zeit ist komplett aufgefüllt mit  ...", notiert die Achtzigjährige; ihre Tätigkeiten füllen eine halbe Buchseite.

Seit sie alt sei, halte sie nichts mehr von dem Sprichwort "Man ist so jung, wie man sich fühlt". Auch mit dem Spruch "Das Alter ist nichts für Weicheier" kann sie nichts anfangen; sie findet ihn fürchterlich. Sie hat nichts gegen Sprüche, doch sie zieht ihren eigenen vor. "Das Alter ist nichts für die Jungen."

Diese Essays sind ein Genuss. Und sie sind hilfreich. Was daran liegt, dass hier eine no-nonsense-Frau schreibt, die klar zu denken versteht. Voraussetzung dafür ist ein nüchterner Blick auf die Dinge, so wie sie sind. "Die Amerikaner glauben fest ans positive Denken. Positives Denken ist grossartig. Es funktioniert am besten, wenn es auf einer realistischen Einschätzung und auf der Akzeptanz der tatsächlichen Lage basiert. Positives Denken auf der Grundlage von Verleugnung ist wohl eher weniger grossartig."

Treffend und erfrischend auch Ursula K. Le Guins Ausführungen zur Kunst. "Kunst machen heisst nicht, sie zu erklären. Kunst ist, was ein Künstler schafft – nicht, was ein Künstler dazu erklärt." Kunsthistoriker, Kuratorinnen und alle anderen, die vom Erklären leben, werden das womöglich anders sehen, weshalb denn auch die Autorin lustvoll nachdoppelt. "Für mich ist die Aufgabe einer Töpferin, einen guten Topf herzustellen, nicht darüber Auskunft zu geben, wie und wo und warum sie ihn angefertigt hat und wofür er aus ihrer Sicht verwendet werden soll und welche anderen Töpfe ihn beeinflusst haben und was der Topf bedeutet und wie man den Topf erfahren soll." Herrlich!

Auch über die Vorstellung des Grossen Amerikanischen Romans lässt sie sich aus, und vermisst auf der gängigen Liste neben Onkel Toms Hütte auch Früchte des Zorns, von dessen Autor, John Steinbeck, ich gerade vor ein paar Wochen The Pearl gelesen und in bester Erinnerung habe. Schon eigenartig, wie Dinge zusammenzuhängen scheinen, war doch The Pearl mein erstes Steinbeck-Buch. Glaubte ich. Ein Blick ins Buchregal belehrte mich dann eines besseren, denn da standen zwei weitere Steinbeck-Bücher, eines ganz offensichtlich gelesen, das andere nicht. Keine Zeit verlieren bewirkt nun, dass ich mir die beiden, die ich überhaupt nicht auf dem Radar hatte, jetzt vornehme.

Bücher können auch zur Bewusstseinsbildung beitragen und Keine Zeit verlieren tut das ganz unbedingt. So macht mich Ursula K. Le Guin auch auf Homer aufmerksam. Ihre Version der Illias sowie der Odyssee sprechen mich weit mehr an als die Originale. Zustimmend zitiert sie den in London lebenden, pakistanischen Autor Moshin Hamid: "Wie seltsam wäre es, Homers Illias oder Rumis Masnavi als "die Grosse Dichtung aus dem östlichen Mittelmeerraum" zu bezeichnen. Soviel zum Grossen Amerikanischen Roman.

Höchst aufschlussreich auch ihre Ausführungen zu Fantasy, die nicht etwa sagt: Alles ist möglich, sondern: Es muss nicht so sein, wie es ist. Und das meint: Die Gesetze der Kausalität gelten auch in der Fantasy, sonst wäre der Leser oder Hörer der Geschichte orientierungslos. "Fantasy hat nichts an sich, vor dem man sich fürchten muss, es sei denn, man hat Angst vor der Freiheit, die in der Ungewissheit liegt." Man sollte diesen Satz nicht überlesen, man sollte bei ihm verweilen, und bedenken, was er alles impliziert, denn Freiheit und Ungewissheit gehören zusammen.

Ursula K. Le Guin zu lesen, ist überaus bereichernd, denn diese Frau ist nicht nur eine eigenständige, sondern auch eine originelle Denkerin mit einem überaus breiten Horizont, Vor allem regt sie an, sich seine eigenen Gedanken zu machen. Kants Aufforderung, man soll den Mut haben, sich seines eigenen Verstandes bedienen, wird in diesem Buch auf eine Art und Weise praktiziert, dass es eine wahre Freude ist.

Keine Zeit verlieren ist weit mehr als ein Buch übers Alter, es ist eine gescheite und praktische Lebensanleitung einer hoch-reflektierten Frau mit viel common sense (der so recht eigentlich alles andere als common ist) und mit viel Humor.

Fazit: Erhellend, lustig, philosophisch und überaus nützlich!

Ursula K. Le Guin
Keine Zeit verlieren
Über Alter, Kunst, Kultur und Katzen
Golkonda Verlag, München 2025

Mittwoch, 16. April 2025

Aufbruch

.Es sei gleich vorweggenommen: Aufbruch. Warum Veränderung so schwer fällt und wie sie gelingt liest sich mit Genuss und Gewinn. Das liegt daran, dass der routinierte Sachbuchautor Stefan Klein viele aufschlussreiche Forschungsergebnisse zusammengetragen hat und diese anregend zu präsentieren weiss. Dabei entbehrt es nicht der Ironie, dass er sehr konventionell vorgeht, also an die Kraft des plausiblen Arguments glaubt. So verständlich dies auch ist: Es ist unser Festhalten am Gewohnten bzw. an unserer Art zu denken, was der Veränderung entgegensteht. Viele Veränderungen geschehen nämlich einfach so, manchmal auch gegen unseren Willen, und nicht wenige überraschen uns.

Der Mensch will sich nicht ändern, ja mehr, er lebt in Illusionen. Das liegt an unserem Hirn. "Das Gehirn ist eine Illusionsmaschine, und die voraussagende Codierung ist die Mutter aller Illusionen." Mit anderen Worten: Unser Verstand geht nicht von Fakten, sondern von Prognosen aus. Es sind unsere Erwartungshaltungen, die unser Verhältnis zur Welt bestimmen. Und es ist unser Festhalten an dem, was wir kennen. Davon handelt der grösste (und sehr überzeugende) Teil dieses Buches, das unter anderem auch klar macht, dass wir bei weitem nicht so rational unterwegs sind, wie wir das gerne annehmen. Nun irrt der Mensch bekanntlich, solang er strebt, und ganz besonders in Sachen Willen und Einsichten. Letztere, sofern sie unser Herz nicht erreichen bzw. nicht ins Handeln überführt werden, bleiben so recht eigentlich toter Buchstabe.

Als einer, der selber destruktive Gewohnheiten bzw. Süchte zum Stillstand bringen konnte (seit 35 Jahren ohne Alkohol, seit knapp 29 Jahren ohne Nikotin) bin ich mit der Tatsache, dass sich der Mensch nicht ändern will, bestens vertraut (Wie geht das eigentlich, das Leben?). Und staune immer wieder, wie viele Menschen das überhaupt nicht so sehen. Nicht zuletzt deswegen finde ich das vorliegende Buch ausgesprochen hilfreich, denn es macht an ganz vielen Beispielen deutlich, dass unser grösstes Talent im Selbstbetrug besteht.

"Auch muss man bedenken, dass kein Vorhaben schwieriger in der Ausführung, unsicherer hinsichtlich seines Erfolges und gefährlicher bei seiner Verwirklichung ist, als eine neue Ordnung einzuführen; denn wer Neuerungen einführen will, hat alle zu Feinden, die aus der alten Ordnung Nutzen ziehen, und hat nur lasche Verteidiger an all denen, die von der neuen Ordnung Vorteile hätten", wird Machiavelli zitiert. Stefan Klein illustriert dies anhand der Coca-Cola-Company, die 1985 versuchte, das alte Coca-Cola durch ein neues, das bei Blindtests obenaus schwang, zu ersetzen – und spektakulär scheiterte.

Zu dem für mich Verblüffendsten gehören die Untersuchungen des Wirtschaftsnobelpreisträgers Richard Thaler, der seine Studierenden wählen liess, "ob sie für eine kleine Aufgabe lieber eine Stange Toblerone oder einen Kaffeebecher als Belohnung wollten. Danach erhielten die Teilnehmenden zufällig eines der beiden Objekte und die Möglichkeit, untereinander zu tauschen. Doch kaum jemand nutzte diese Option. Wer den Kaffeebecher hatte, behielt ihn, und wer Schokolade bekommen hatte, obwohl er den Becher gewählt hatte, behielt diese ebenfalls." Was lehrt uns das? Was man einmal hat, gibt man nicht so leicht wieder her. Das ist nicht nur bei Dingen so, das ist auch bei Meinungen so. 

Aufbruch. Warum Veränderung so schwer fällt und wie sie gelingt macht einen auf ganz Unterschiedliches aufmerksam. So lerne ich etwa vom Physiker Max Planck: "Eine neue wissenschaftliche Wahrheit pflegt sich nicht in der Weise durchzusetzen, dass ihre Gegner überzeugt werden und sich als belehrt erklären, sondern dadurch, dass die Gegner allmählich aussterben." Zu Recht folgert Stefan Klein, dass dieses Prinzip sich nicht allein auf die Wissenschaft bezieht. "Je jünger eine Person, umso eher passt sie sich neuen Tatsachen an."

Am Beispiel des Arztes Ignaz Semmelweis, der das Kindbettfieber zum Verschwinden brachte, indem er seine Ärzte anhielt, sich vor jeder Untersuchung die Hände mit Chlorlösung zu waschen, legt Stefan Klein eindrücklich dar, dass Wissen nicht notwendigerweise Macht bedeutet, denn Semmelweis wurde nicht gelobt, sondern angefeindet. Wie so recht eigentlich immer: Priorität hat die Stabilität des herrschenden Systems. So verständlich das ist (der Mensch ist verloren im Universum und braucht Halt), so lebensfeindlich wirkt es sich aus, denn die Unsicherheit gehört zum Leben, sie kann nicht ausgerottet werden. Wir versuchen es trotzdem ...

Doch Veränderungen, die gibt es. Ein Blick in die Geschichte genügt. Damit Veränderungen möglich werden, müssen wir Erfahrungen machen. Und dies ist in der heutigen Zeit kein geringes Problem, da wir  uns immer mehr digital informieren, doch die Medien uns keine Erfahrung vermitteln. 

Stefan Klein berichtet auch von Möglichkeiten, den Handykonsum mittels einer App, die den Start von WhatsApp und Co. verzögert, einzudämmen. Und von der Hoffnung und den Erfolgen der kleinen Schritte; zudem argumentiert er für eine Kultur der Veränderung, die auf Motivation und Information setzt. Den Analyse-Teil fand ich entschieden motivierender, doch dieses Zitat von Antoine de Saint-Exupéry, das dem letzten Kapitel vorangestellt ist, zeigt die Richtung sehr schön an. "Ein Schiff zu erschaffen heisst nicht, Leinen zu weben, Nägel zu schmieden oder die Sterne zu lesen, sondern den Menschen die Sehnsucht nach dem Meer vermitteln."

"Sein Leben zu ändern heisst daher, neue Gewohnheiten anzunehmen." Schon, denkt es dann so in uns, doch das ist schwierig. Ist es nicht, im Gegenteil, es ist einfach, man muss es nur tun, meint der Autor. Und genauso isses! Jedenfalls war es bei mir so. Weshalb, weiss ich nicht wirklich  (meine Rationalisierungen haben sich im Laufe der Jahre gewandelt). Heutzutage scheint mir, ich hatte schlicht genug, wehrte mich nicht mehr gegen die Veränderung, war bereit, das Alte zu lassen. Wie sagte doch Horatio in Hamlet: "The readiness is all."

Stefan Klein
Aufbruch
Warum Veränderung so schwer fällt und wie sie gelingt
S. Fischer, Frankfurt am Main 2025

Sonntag, 13. April 2025

Zehn Tage Schweigen

Die Beziehung von Adam und Evelyn war einst besser, viel besser. Und das soll sie auch wieder werden. Evelyn wird aktiv und meldet Adam zu einem Vipassana-Retreat an, wo er zehn Tage lang meditieren soll. Er willigt ein, da er hofft, dass anschliessend ihre Beziehung wieder so sein wird, wie sie es eins gewesen ist.

Engländer sind bekannt für ihren oft ironischen Umgang mit Allem und Jedem, und Adam Fletcher trägt ganz besonders dick auf. Zu dick, für meinen Geschmack, und das ermüdet bei einem Buch von rund 250 Seiten. Andererseits ist ein Vipassana-Retreat mit Ironie anzugehen eine ungewöhnliche und durchaus  hilfreiche Idee, denn bekanntlich führt zu viel Ernsthaftigkeit in aller Regel zu Überheblichkeit. Und da diese leicht eintreten kann, wenn man sich auf die Suche nach der Erleuchtung begibt, wirkt Ironie auch als nützliches Korrektiv.

Bei der Meditation geht es darum, im Hier und Jetzt zu sein. Die Methode, die Adam anzuwenden hat, ist das Ein- und Ausatmen. Da unser Hirn davon nichts wissen will (es rennt dauernd davon, in die Vergangenheit, die Zukunft, nach links und rechts, von keiner Geografie begrenzt), mag das einfach klingen. "Was natürlich nicht dasselbe ist wie leicht."

So recht eigentlich möchte Adam nicht in diesem Retreat sein, "in dieser moralisch selbstgerechten Umgebung." Er beschreibt nicht nur, wohin seine Gedanken wandern, sondern räumtt auch dem, was er mag, und was er nicht mag, viel Platz ein. "Es muss jetzt eine Stunde sein, oder? War das der Gong? War nicht der Gong. Komisch, dauert schon so lange. Ja, es wird definitiv Zeit ...". Keine Frage, man kann es ihm nachfühlen, doch andererseits ist es aber eben auch so, dass das Aufschreiben/Festhalten der Gedanken, das genaue Gegenteil dessen ist, worauf es bei der Meditation ankommt.

Das Problem sei sein unruhiger Geist, lernt er, obwohl er das ganz anders sieht und befindet: "Der menschliche Geist ist eine sinnstiftende Maschine." Kein Wunder, will er davon nicht lassen. "Wenn du zwölf Stunden am Tag bloss sitzt und dich auf den Atem konzentrierst, hat dieses Sinnstiftungsmaschine nichts zu tun." Mit anderen Worten: Die vertraute Welt gerät aus den Fugen, das will man nicht und so wehrt man sich.

Parallel zu seinen Meditationsanstrengungen berichtet Adam von Evelyns Bemühungen, schwanger zu werden, die auch nach einem Jahr zu keinem positiven Resultat geführt haben, trotz der Anstrengungen der beiden. Am Vormittag des vierten Meditationstages kann er dann nur noch an Sex denken.

So sehr er auch mit dem Meditieren hadert (einmal versucht er sogar, aus dem Retreat abzuhauen), er schafft die zehn Tage ("eine echte mentale Prüfung"), und ist zu Recht "wahnsinnig stolz" auf sich. "Es war ein Fehler von Evelyn gewesen, mich hierherzuschicken, auch wenn sie die richtigen Gründe dafür gehabt hatte. Aber man kann auch durch falsche Entscheidungen zu den richtigen Antworten gelangen." Es sind solch wahre Sätze, die mich Bücher lesen lassen.

Adam Fletcher ist ein begabter Geschichtenerzähler mit einem Hang zum Originellen, bei dem allerdings das Anregende und Lehrreiche, Sensible und Gescheite manchmal Gefahr läuft unterzugehen. Zum Glück geschieht das dann doch nicht.

Adam Fletcher
In der Ruhe liegt der Wahnsinn
Wie ich in einem 10-tägigen Schweige-Retreat meinen Verstand verlor, aber mein Glück und alles andere fand.
C.H. Beck, München 2025

Mittwoch, 9. April 2025

Eine Frau, die trinkt

Das Thema dieses Romans sei "ein bis heute existierendes Tabu: der weibliche Alkoholismus", so der Verlag, der damit wohl den Verkauf anzukurbeln hofft, denn bekanntlich lesen vor allem Frauen. Nur eben: den weiblichen Alkoholismus gibt es nicht, es gibt nur Alkoholismus. Und dieser wird nicht tabuisiert, sondern filmisch und literarisch problematisiert, der vorliegende Text ist fast hundert Jahre alt. Seine Verfasserin starb im Alter von 35 Jahren an Tuberkulose.

Eine Frau, die trinkt will "keinen Charakter freilegen, wo nie einer war, keine Zusammenhänge herstellen, wo nichts zusammenhängt. Es wird lediglich versucht, diese alkoholischen Episoden als aussergewöhnliche Gefühlszustände, eingebettet in ein  Leben", das Leben von Guita, darzustellen.

Guita ist acht und will ein Schmetterlingsnetz. Da ihr Vater auf ihr drängendes Begehren nicht eingeht, steigt sie in den Keller hinab und betrinkt sich mit Rotwein. Mit sechzehn wird sie betrunken von Jacques entjungfert, heiratet ihn, obwohl sie ihn nicht liebt, doch da er sie liebt, ist schliesslich immerhin einer der beiden zufrieden. Und sie, sie fühlt sich frei

Sie betrügt ihn, wird selber betrogen. Sie liebt den Rausch, gibt sich ihm hin. Sie nimmt das Leben spielerisch, vertieft nichts, geht über alles hinweg, ist leichtsinnig und versteht dies zu geniessen. Einerseits. Doch da ist auch die andere Seite, Alkoholabhängigen bestens bekannt als Mister Hyde, dem Pendant zu Doktor Jekyll. Sie versteckt die leeren Flaschen, will sich ihrem
 Mann offenbaren, es bleibt beim Vorsatz und dem heimlichen Entsorgen der Flaschen

Colette Andris (Pseudonym von Pauline Toutey) war 28 als dieser Roman, ihr erster, erschien, der sich vor allem durch die Sprache, den Ton auszeichnet. Als luftig, leicht und unbeschwert, wunderbar lebensfähig wird Guita geschildert. Von heiterer Neugierde angetrieben, sich dem Alkohol ausliefernd, dabei eine sensible Denkerin. "Es ist aussichtslos, dieses Laster (nennen wir die Dinge beim Namen) bekämpfen zu wollen. Besiegt wäre es erst, wenn man die Welt in einen Ort der Freude verwandeln würde."

Doch Guita ist nicht einfach dem Alkohol, sie ist dem Rausch verfallen, und dieser kann sich in vielem zeigen. Im Sex, im Trinken, im Betrügen, im Sammeln von Liebhabern, in der Sehnsucht nach dem Leben ... you name it.

Im Wachzustand nimmt sich der Mensch meist als bewusst handelnder Akteur wahr, im Schlaf hingegen regieren ihn Kräfte, auf die er keinen Einfluss hat. "Sie wird von Bildern bedrängt (aus welchen Untiefen, welchem Nichts mögen sie kommen?), und aus dem Dunkel treten böse, undurchdringliche, gequälte Fratzen hervor. Jene, die sie festhalten will, lösen sich auf und verschwinden; jene aber, die sie ängstigen oder abstossen, setzen sich fest und drängen sich auf, sobald Guita die Augen schliesst – eine teuflische Parade."

Zu den Dingen, die sie ängstigen, gehört der Tod. "Was gäbe sie dafür, an die Unsterblichkeit zu glauben!" Die Nacht bedeutet ihr Grauen, sie fürchtet um ihren Verstand. Als der Morgen endlich kommt, fühlt sie sich erlöst. "Ein neuer Tag ist angebrochen, rein und unverbraucht, und mit ihm die Freude am täglichen Kampf, am Leben, die Freude an allen Dingen."

"Und auch wenn er ins Verderben führt, wird der Alkohol nicht nur verdammt. Er ist hier Weltflucht und Zerstreuung, Sucht und Sinn", schreibt Jan Rhein im Nachwort. Worin der Unterschied von Weltflucht und Zerstreuung liegen könnte, ist mir schleierhaft, da sie doch recht eigentlich (jedenfalls in meinem Verständnis) gleichbedeutend sind. Auch dass der Alkohol in diesem Buch "Sucht und Sinn" sei, kann nur jemand behaupten, der keine Erfahrung mit (und keine Ahnung von) Sucht hat.

Wie Alkohol stimuliert und beflügelt, führt Colette Andris gekonnt und mit leichter Feder vor. Gleichzeitig, und darin liegt die Stärke dieses Buches, macht sie deutlich, dass Guita erst ohne einen Tropfen Alkohol klar sieht. "... keine verzweifelten Tränen, keine oberflächliche Trauer, wie sie die Trunkenheit allzu oft hervorruft. Vielmehr eine heilige, reine Verzückung."

Colette Andris
Eine Frau, die trinkt
Roman
Wagenbach, Berlin 2025

Sonntag, 6. April 2025

Leben & Sterben

Der Einstieg ist ganz wunderbar – die Begeisterung der Medizinethikerin Alena Buyx für ihre Arbeit ist gleichsam mit Händen zu greifen. Man wünschte sich mehr solcher Menschen; mir selber sind aus meiner Studienzeit in der Schweiz, Wales, Australien und Schottland nur gerade zwei Dozenten in Erinnerung, deren Begeisterung ich als ansteckend empfunden habe.

"Die Medizinethik beschäftigt sich mit dem guten und richtigen Handeln in der Medizin. Das kann sowohl die Entwicklung neuer Technologien betreffen als auch die konkrete Versorgung am Krankenbett." Alles klar, denkt es so in mir, doch kurz darauf stocke ich dann bei diesem Satz: "Es geht um Argumente und es geht um Gründe und Begründungen." In der Jurisprudenz ist das auch so, ja, so recht eigentlich ist das in allen akademischen Disziplinen so. Weshalb habe ich also gestockt? Weil ich es jetzt im Alter eigenartig finde, dass das moralisch Gesollte, Erlaubte und Zulässige von Argumenten und Begründungen abhängen soll. Ich weiss, ich weiss, so funktionieren wir nun einmal, sonderbar finde ich gleichwohl, dass "das Richtige" von einem guten oder besseren Argument entschieden wird. Doch zugegeben, das wäre eine andere Geschichte ...

Die leitenden medizinethischen Prinzipien sind: Das Prinzip des Respekts vor Selbstbestimmung von Patienten, das Prinzip des Nichtschadens, das Prinzip der Fürsorge/des Wohltuns, das Prinzip der Gerechtigkeit. Natürlich kommen da auch die Juristen ins Spiel ... und das ist ein Problem (das in diesem Buch allerdings nicht zur Sprache kommt), denn die Juristerei ist hauptsächlich ein Geschäftsmodell, weshalb sie denn auch ein Interesse daran hat, die Dinge zu verkomplizieren, sonst könnte schliesslich jeder und jede mitreden – und aus wär's mit dem Geschäft. Alena Buyx hingegen bezieht die Leser und Leserinnen mit ein, fordert sie auf, sich eigene Gedanken zu machen.

Leben & Sterben ist ein gutes und anregendes Buch. Ich will das an drei Beispielen erläutern bzw. ausführen, was diese bei mir ausgelöst haben.

Beispiel 1: Zwei frühgeborene Zwillinge, Tim und Mark. Mark entwickelt sich gut, Tim hingegen musste bereits dreimal reanimiert werden und erlitt zwei Gehirnblutungen. Die Eltern, beides Ärzte, wollen, dass die lebenserhaltende Behandlung bei Tim eingestellt wird. Tims Vater: "Was sie hier noch mit ihm machen, ist doch Quälerei, das bringt doch nichts! Und was er dann vor sich hat, das ist doch kein Leben. Ausserdem entscheiden immer noch wir, die Eltern, was sie mit unserem Kind machen dürfen und was nicht."

Meine gleichsam automatische Reaktion darauf: Der Mann hat Recht. Und fast gleichzeitig denkt es in mir: Eltern, die ihre Kinder als ihnen gehörig, also als Besitz bzw. Eigentum betrachten, sind nicht richtig bei Trost. Dazu kommt: Wer sich von angstgeplagten Vorstellungen leiten lässt, unterschätzt die Resilienz des Menschen, dessen Biologie ihm zu leben vorgibt.

Das medizinische Team sieht die Lage anders als die Eltern, auch natürlich, weil es emotional distanziert bzw. nicht so nahe dran ist. Für das Team hat Tims Wohlergehen Priorität, müssen die Rechte der Eltern  hintanstehen. Aus diesem Grundsatzentscheid ergibt sich alles Weitere. Es folgen viele Gespräche mit den Eltern, die schliesslich einwilligen, Tim leben zu lassen.

Und so ist die Lage heute. "Tim hat einen schweren Sehfehler und trägt, seit er zwei Jahre alt ist, eine dicke Brille. Er ist sehr klein und zart gewachsen und wird wohl immer deutlich kleiner sein als Gleichaltrige und auch als Erwachsener vermutlich die 1.60 nicht erreichen. Abgesehen davon ist Tim gesund und munter, geht in die dritte Klasse der Grundschule, ist klug und witzig und ein beliebtes sonniges Kind. Ein gutes Leben." Soweit Alena Buyx, die sehr wohl weiss, dass es auch ganz anders hätte ausgehen können. 

Gefragt habe ich mich, wie Tim und seine Eltern das heute sehen? Denn die Frage ist ja nach wie vor: Was ist eigentlich, ein lebenswertes Leben? Als ich einmal einem brasilianischen Neurochirurgen sagte, ein Leben im Rollstuhl hielte ich für mich nicht für lebenswert, erzählte er mir von einem Patienten, der genau dasselbe gesagt habe, dann im Rollstuhl gelandet sei – und sein Leben wider Erwarten lebenswert gefunden habe.

Beispiel 2: Zu Beginn ihrer Hauptvorlesung fragt Alena Buyx ihre Studenten jeweils, wie sie sich ihren eigenen Tod vorstellten. Die Antworten gehen von im eigenen Bett einzuschlafen und nicht mehr aufzuwachen bis zu umringt von seinen Liebsten friedlich einzuschlafen. Sterben auf der Intensivstation oder im Altenpflegeheim, wo 70 Prozent sterben, schwebt so recht eigentlich niemandem vor. Nichts könnte deutlicher zeigen, in was für Illusionen wir Menschen unser Leben verbringen. Leben & Sterben bietet Gegensteuer.

Beispiel 3: Aktive Sterbehilfe ist in den Niederlanden, Belgien und Luxemburg seit einigen Jahren nicht mit Strafe bedroht, in Deutschland schon. Die Argumente für und wider sind differenziert und intelligent; den Ausschlag gibt das eigene Menschenbild. Wer davon ausgeht, dass der Mensch weiss, was er tut, wird wohl für Selbstbestimmung plädieren (offenbar gehen auch die Gerichte zunehmend in diese Richtung, was natürlich mit dem juristischen Menschenbild zu tun hat, gemäss dem der Mensch einen freien Willen haben muss). Wer hingegen das Leben als Schicksal begreift (also nicht davon ausgeht, dass er oder sie Kontrolle über das Leben hat), sieht das naturgemäss anders. Wer versteht, dass Entweder/Oder die Realität nicht abbilden kann, kommt möglicherweise zu Alena Buyxs schöner und lebensgerechter Schlussfolgerung: "Ich würde also zusammenfassend, die prinzipielle ethische Zulässigkeit der aktiven Sterbehilfe bejahen, aber ich plädiere nicht dafür, sie einzuführen."

Leben & Sterben ist ein vielfältig überzeugendes und höchst anregendes Buch, das die Auseinandersetzung lohnt. Einerseits, weil die Autorin nicht mit ihrer Meinung zurückhält, aber eben auch darlegt, wie sie dazu gekommen ist. Andererseits, weil das kein theoretisches (und damit unverbindliches) Werk ist, sondern Lebensfragen (anhand konkreter Fallbeispiele) auf ihre ethische  Tauglichkeit (die Würde des Menschen ist unantastbar) prüft.

Alena Buyx
Leben & Sterben
Die grossen Fragen ethisch entscheiden
S. Fischer, Frankfurt am Main 2025

Mittwoch, 2. April 2025

Stimmen im Kopf

Matthew Johnstone wollte bei diesem Buchprojekt anfangs nicht so recht mitmachen, da er sich bei seiner Arbeit gern auf das beschränkt, das er selber erlebt hat und daher gut kennt. "Doch wie es immer so ist: Nachdem ich meinen Widerstand überwunden und angefangen hatte, war ich begeistert bei der Sache ...". Man kann (und darf und soll) daraus lernen: Wer etwas ändern will, muss verstehen, dass es wesentlich darum geht, seinen Widerstand gegen Veränderung zu überwinden.

Lauren Kennedy West ist selbst von einer schizoaffektiven Störung betroffen und betreibt den YouTube-Kanal 'Living Well with Schizophrenia'. Sie will nicht nur aufklären, sondern auch Empathie ermöglichen.

Stimmen im Kopf ermöglicht tatsächlich Empathie, jedenfalls gehörte diese Empfindung zu den Auswirkungen, die dieses Buch auf mich hatte. Das liegt, so stelle ich mir vor (wissen kann man das nicht), an den ansprechenden Illustrationen, denn Gefühle werden bekanntlich mittels Bildern übertragen.

Dazu kommt, dass Stimmen im Kopf aufklärt. Etwa darüber, dass manche glauben, Menschen mit Schizophrenie seien gefährlich oder litten unter extremem Kontrollverlust. Ja, das kommt vor, doch sehr selten.

Schizophrene leben einen Grossteil der Zeit wie alle anderen auch, doch gibt es eben auch immer wieder Phasen, die von Fehleinschätzungen geprägt sind, und in denen ihnen selbst überschaubare Aufgaben zum Problem werden.

Woher die Schizophrenie kommt, weiss man nicht wirklich. Also rätselt man, woher es kommen könnte, dass man Stimmen hört und Dinge sieht, die gar nicht da sind.

Dieses höchst ansprechende Buch handelt davon, wie man mit besonderen Herausforderungen ganz gut leben kann. Dafür braucht es auch das Wohlwollen der anderen sowie die Unterstützung, die man in Selbsthilfegruppen finden kann.

Fazit: Sympathische Aufklärung, die hoffentlich viele erreichen wird.

Stimmen im Kopf
Wie ich lernte, meine Schizophrenie zu akzeptieren
zu verstehen und gut mit ihr zu leben
Kunstmann, München 2025