Mittwoch, 3. Oktober 2018

How shall I live?

On our recovery path we sometimes fall into a hole. As we get more in touch with ourselves and with reality, we might be overwhelmed, frightened, or depressed. Many of us have asked, "How can it be that I live life with such struggle and hard work only to die in the end?" In recovery we no longer have our anesthetic, our drug of choice, our excesses and controlling behaviors to dull this painful awareness.

Growing as a human being means becoming more aware of these dark truths and not being paralyzed by them. We accept death and choose life. That means we live fully in the present. We choose relationships with others. We appreciate the beauty of creation and seek to know the will of God. In recovery, we choose to live this day fully, in contact with friends and loved ones, appreciating the beauty around us, and helping those we can.

Mittwoch, 26. September 2018

Let go of yesterday

Today is before us as an unformed experience. Yesterday took its own shape, and whatever it was has now gone. Our only opportunities exist in what we will do this day. Perhaps we can enhance the day by starting with a review of yesterday and then letting go. What were the major events in our experiences yesterday? How do we feel about them? Is something left unfinished in our feelings or actions that we need to complete or repair today? Can we take yesterday's experience to build a better today?

We have centered ourselves in this day by reviewing where we just came from. We have taken a spot check inventory. Now we can let go of yesterday and move forward in the present. That does not mean we never think about the past again. It means we build on the past by learning from our experiences and letting them shape our activities now. In that way we draw ever closer into accord with the will of our Higher Power.

Mittwoch, 19. September 2018

Eine Reise in die eigene Seele

Wie meine Freundin Penny zu sagen pflegt: Wenn man eine Schmerztablette nimmt, ist der Schmerz immer noch da, man spürt ihn nur nicht mehr. Wir alle brauchen unsere Trostpflaster, seien es Alkohol, Drogen, Affären, Kartenspiel, diverse Abhängigkeiten, Urlaube, Luxushotels oder Reiseerlebnisse, einfach nur um unser Leben zu bewältigen. Aber der müssige Reisende verzichtet wohl oder übel auf diese Pflaster und begibt sich auf eine Reise in die eigene Seele. Wenn er dabei einen Blick in die Hölle erhaschen muss, sei's drum. Er wird auch den Himmel erblicken. Und nach einem langen und beschwerlichen Aufstieg wird die Aussicht um so grossartiger sein.

Tom Hodgkinson

Mittwoch, 12. September 2018

Lebenskunst

Nur auf eine Kunst kommt es für mich an: Die Lebenskunst.

Was meint das? Das Leben als Gelegenheit zum Üben zu begreifen. Und was soll geübt werden? Das Leben. Geht es auch konkreter? Sicher, hier ein Beispiel.

Eine meiner Gewohnheiten ist es, Unangenehmes so schnell wie möglich hinter mich zu bringen. Die Idee dahinter ist – wenn es denn überhaupt eine Idee ist, ist es keine bewusste, von der mir klar ist, dass sie mein Verhalten leitet, sondern eine nachgereichte – , anschliessend das machen zu können, wozu ich mehr Lust habe. Leider ist es nun aber so, dass, kaum habe ich die eine unangenehme Sache (meist Probleme genannt) hinter mich gebracht, schon die nächste vor meiner Nase steht. Mit anderen Worten: Ich räume ständig so schnell wie möglich Probleme aus dem Weg, deren Anzahl sich deswegen jedoch nicht zu verringern scheint. Es ist eine Sisyphus-Arbeit.

Albert Camus hat einmal gemeint, man müsse sich Sisyphus als glücklichen Menschen vorstellen. In Tat und Wahrheit ist er das natürlich nicht, doch wenn er übt, kann er sich in diese Richtung entwickeln. Denn Üben bedeutet, sich auf das Wie zu konzentrieren. Die anstehenden 'Probleme' als das zu sehen, was sie sind: Gelegenheiten zum Üben.

Doch was um Himmels Willen soll man denn bloss üben? Sein Denken, Fühlen und Tun ins Gleichgewicht zu bringen. Sich selber zu meistern. Wem Unabhängigkeit und Selbstbestimmung ein attraktives Ziel ist, ist es aufgegeben, seine Impulse zu kontrollieren, seinen Gewohnheiten die Richtung vorzugeben. In meinem Falle bedeutet das, die Dinge langsam anzugehen, mir Zeit dafür zu nehmen für das, was ich tue. Denn was ich tue, ist mein Leben, wie ich damit umgehe, meine Verantwortung.

Hans Durrer, Juli 2018

Mittwoch, 5. September 2018

Süchtige sind Langweiler


Süchtige sind Langweiler, selbstmitleidige Langweiler. Und überdies feige. Ihr Beitrag zum Leben besteht darin, dass sie sich diesem verweigern. Und ihre Nächsten, die sich um sie sorgen, terrorisieren. Doch das ist ihnen egal. Sie sind ausschliesslich mit sich selber beschäftigt. Ich weiss, wovon ich rede, ich war auch einmal so.

Dass Süchtige auch Leidende sind, versteht sich. Dass sie Hilfe brauchen genauso. Tragisch ist, dass allzu viele glauben, dem sei nicht so, sie schafften es, wenn überhaupt, alleine. So wie ich das während gut zehn Jahren geglaubt habe. Und sie geben sich nicht nur Mühe, sie strengen sich wirklich an, sehr sogar. Und immer wieder von Neuem, doch selten mit anhaltendem Erfolg.

Einige versuchen es auch mit Therapie, und ja, die kann gelingen. Doch oft ist sie nicht viel mehr als ein Machtkampf zwischen Therapeut und Patient. Während der Therapeut die Schwachstelle des Patienten zu eruieren versucht, tut der Patient alles, um genau das zu verhindern.

Manch seelisch Leidenden ist nicht zu helfen, ihr Widerstand zu gross und zu heftig. Die Psychiatrieprofessorin Kay Redfield Jamison, die selber an einer bipolaren Störung leidet, berichtet in „Eine ruhelose Seele“ von einem solch herzzerreissenden Fall: „Nichts, was in der Macht der Medizin oder der Psychologie stand, konnte ihn dazu bringen, seine Medikamente lange genug zu nehmen, dass es ihm auf die Dauer gut ging. Lithium half ihm, aber er nahm es nicht.“

Doch Einstellungs- und Verhaltensänderungen sind möglich. Manchmal. Ich habe es erfahren. Und andere auch. Auf ganz unterschiedlichen Wegen.

Hans Durrer
Wie geht das eigentlich, das Leben?
Anregungen zur Selbst- und Welterkundung
www.neobooks.com

Mittwoch, 29. August 2018

This Day Is Mine. Please, may I use it well

This is the day that belongs to me, for it was given to me early in the morning freely and without obligation. The moment that I accepted the gift, I accepted the responsibility for its growth. I received it in good condition, fresh, young and clean, and now that it is mine, I can choose what kind of day it will become. I can make it ugly by deciding to be miserable or I can make it beautiful by deciding to be glad. 

This is the day to be happy. I know I can be just as contented as I wish to be. Above all, I can find contentment now, instead of thinking it necessary to wait for some uncertain, future pleasure.

This is the day to be free, to cut the bonds of all those tomorrows and all those yesterdays. I would be unwise to waste any part of today in useless guilt or distress about a yesterday, or pointless worry or panic about a tomorrow.

This is a day to treat life as a great adventure and each moment of it as a satisfying and rewarding experience. Since I want to live it fully, and I want to live it well. I hope that I will handle myself in such a manner that when today becomes yesterday, my memories will be pleasant and when tomorrow 
becomes today my regrets will be few. On this day, I do not want to indulge in crippling, selfish emotions such as anger, hatred and fear; I want instead to seek their opposites.

This is the day to be thankful for some pains removed and some blessing received; to translate my gratitude from mere words into cheerful, wholehearted achievement.

This is the day to promise myself that I am going to build my world with gladness and with love, right now, because this is the only day that belongs to me. 

Mittwoch, 22. August 2018

All-Ein-Sein

Ich gehe dieses Buch positiv gestimmt an, denn von Büchern über Zen habe ich immer wieder Anregendes und Hilfreiches gelernt, doch bereits nach wenigen Seiten regt sich in mir Widerstand. Es liegt an der Art des Denkens, an der Sprache, dem pädagogisch Anbiedernden. So plädiert der Autor etwa dafür, das Fragen zuzulassen, denn manche der sogenannt wichtigen Fragen "bergen in sich das Potential, unser bisheriges Leben gänzlich durcheinanderzubringen, kämen wir ernsthaft auf die Idee, nach einer Antwort zu suchen. Deswegen lassen wir bestimmte Fragen auch nicht wirklich zu. Und wie machen wir das? Beispielsweise indem wir die Frage übergehen." So weit so gut. Und was mich angeht: einleuchtend und wahr. Doch dann folgt (leider): "Klingt einfach, ja, nahezu platt. Nun aber langsam. Wir sind doch keine gestrickten Ignoranten. Wir doch nicht. Damit meine ich Sie und mich. Dass wir keine Ignoranten sind, zeigt sich daran, dass ich solch ein Buch schreibe und sie es lesen ...".

Hätte er das doch bloss gelassen! Ich lese trotzdem weiter, fühle mich nach wie vor von des Autors Formulierungen nicht besonders angezogen, doch sein Rat "Langsamer und genauer werden" ist auch einer, den ich mir selber immer mal wieder gebe und dann stosse ich auf den Abschnitt "Wer es besser haben will, ist nicht mehr im Hier und Jetzt", in dem auch die fundamentale (und wohl von vielen übersehene) Erkenntnis formuliert wird, "dass die Hingabe an die Meditationsübung durchaus ein Ausweichmanöver sein kann." Genau so wie unser ruheloser Verbesserungszwang, denn auch dieser hindert uns, das Leben anzunehmen. Wie subtil wir dabei vorgehen, macht Alexander Poray mit seinen Ausführungen eindrücklich klar.

Je weiter ich mit der Lektüre vorankomme, desto mehr gefällt mir, was ich lese. Auch natürlich, weil ich auf Gedanken treffe, dir mir bekannt sind. Etwa, dass es uns bei Allem und Jedem primär um Stabilität geht. Oder, dass wir meist instinktiv handeln und die Erklärungen dafür im Nachhinein folgen. Doch selbstverständlich stosse ich auch auf vieles, dass mir gänzlich neu ist. "Wir sind hier zu keinem Zeitpunkt das handelnde Subjekt, sondern werden durch die Handlungen erzeugt. Sub-jekt bedeutet ja unter-geordnet sein und eben nicht über-geordnet oder voraus-gehend ...".

Alexander Poraj spricht von einem Wirbelsturm aus Gedanken und Gefühlen, den wir selber schaffen, in der Hoffnung, Ruhe zu finden. Denn was wir am meisten fürchten ist die Ungewissheit. "Wir haben Angst, kein Etwas mehr zu sein, keine Identität zu haben, sich einfach im Nichts aufzulösen. Wir haben Angst, dass etwas anderes 'ist' und nicht wir."

All-Ein. Zen oder die Überwindung der Einsamkeit ist ein Buch zum Langsam-Lesen. Ich jedenfalls lese es langsam, lege es nach ein paar Seiten wieder zur Seite, lasse auf mich wirken und überdenke. was ich gelesen habe. Weil es ein sehr dichter Text ist, einer, der zum Bedenken und Nachspüren einlädt. Und auch, weil Begriffe zum Teil anders definiert und eingesetzt werden, als das üblicherweise getan wird. So wird etwa das Selbstgefühl als ein ruheloser Prozess beschrieben.

Ganz besonders hilfreich fand ich die Ausführungen über "Die Sehnsucht", die Alexander Poraj nicht als individuelles Bedürfnis versteht. "In dem Augenblick nämlich, in dem wir alles Gewünschte zu haben meinen, meldet sich die Sehnsucht zu Wort so, als hätte sie mit den Vorstellungen von Glück und Zufriedenheit nichts zu tun." Ein Zustand des Mangels bleibt trotzdem da. Was also ist zu tun? Dahin schauen, "wohin wir noch nie geschaut haben, weil wir nach Lösungen suchten, damit das Problem verschwindet, und nicht nach dem 'Problem', ob es überhaupt nach Lösungen verlangt."

Das ist ungewohnt? Sowieso. Und genau deshalb weichen wir aus. Wie stark wir von unseren Gewohnheiten geprägt sind, erläutert Alexander Porai unter anderem an der Geschichte des Evangelisten Lukas vom verlorenen Sohn. Und er zeigt, dass sie auch anders gelesen werden kann. Als eine Geschichte der Sehnsucht. Nein, nicht so, wie wir Sehnsucht gemeinhin verstehen, als Stimme der Not, sondern als "die Stimme der Fülle des Soseins". Und was heisst das? Dass, wenn man anhält, aus der Gewohnheit fällt und innehält, Zen lebt.

Alexander Poraj
ALLEIN
Zen oder die Überwindung der Einsamkeit,
Kösel, München 2018