Mittwoch, 3. August 2016

Leben mit einer bipolaren Störung

Jessie Close leidet unter manisch-depressiven Zuständen, einer Krankheit, die heute meist als bipolare Störung bezeichnet wird, da die meisten Kliniker und viele Patienten, wie Kay Redfield Jamison in Meine ruhelose Seele schreibt, "den Ausdruck 'bipolare Störung' als weniger stigmatisierend als 'manisch-depressive Krankheit'"empfinden. Für sich selber (sie leidet auch unter dieser Krankheit) hält Jamison 'manisch-depressiv' für angemessener und sie fragt: "Ist der Begriff 'bipolar' wirklich ein medizinisch präziser Begriff und führt die Änderung der Bezeichnung tatsächlich zu einer grösseren Akzeptanz der Erkrankung?"

Jessie Close hat (zusammen mit Pete Earley) in Ich bin mit den Wolken geflogen nicht nur die Geschichte ihrer Krankheit, sondern auch die Geschichte ihrer Familie (eine ihrer älteren Schwestern ist die Schauspielerin Glenn Close) aufgeschrieben.

"Meine Familie brauchte Jahre, um die Tatsache zu verinnerlichen, dass ich mir bei jedem Stimmungsumschwung ein neues Auto, ein neues Haus oder einen neuen Mann zulegte", notiert sie. Und sie hat viele Stimmungsumschwünge.

Eine gewöhnliche Kindheit hatte sie nicht. Sie kam in privilegierten Verhältnissen zur Welt und wuchs teilweise in der Obhut der 'Moral Re-Armament'-Gemeinschaft auf, einer Sekte, zu der ihre Eltern gehörten. Zudem gab es "höchstwahrscheinlich aufseiten der Vorfahren mütterlicherseits" eine genetische Disposition für mentale Erkrankungen.

Emotionale Nähe zu ihrem Vater (einem Arzt, der seinen Patienten gegenüber sehr mitfühlend war, seiner Frau hingegen seine Gefühle nicht zeigen konnte) aufzubauen, ist ihr nie gelungen. Sie fühlt sich von einem Dämon besessen, der sie überallhin begleitet, immer bei ihr ist, sie nie allein lässt.

Die manischen Zustände fühlen sich manchmal gut an. Sie ist dann euphorisch, aktiv und grenzenlos risikofreudig, doch immer lauert da bereits der Absturz, die abgrundtiefe Verzweiflung. "Selbst wenn sich die Manie gut anfühlte, wog sie nie die grauenvollen Depressionen auf, die ihr unweigerlich folgten."

Doch Jessie Close leidet nicht nur unter heftigen und ganz plötzlichen Stimmungsschwankungen, sie trinkt auch übermässig, kokst, tut generell alles, was sie tut, ohne Mass. Es dauert unfassbar lange bis sie Panikattacken, Paranoia, Gedankenflucht, Zerstreutheit und Hypernervosität als das zu erkennen beginnt, was sie häufig sind: Symptome einer mentalen Erkrankung.

"Rückblickend wird mir klar, dass keiner von uns jemals auf die Idee kam, Jessie könnte an einer mentalen Krankheit leiden, obwohl sie zwei Selbstmordversuche hinter sich hatte, ständig in zerstörerischen Beziehungen lebte und sich mit Drogen in eine andere Welt flüchtete. Die Möglichkeit drang einfach nicht bis in unser Bewusstsein vor und war nie Gesprächsthema. Aus unserer Sicht lebte sie auf der Überholspur, ohne Ziel und Selbstdisziplin", so ihre sechs Jahre ältere Schwester Glenn Close.

Sie wird als bipolar diagnostiziert, nimmt Medikamente, hört mit Hilfe der Anonymen Alkoholiker auf zu trinken, doch der Verzicht auf Alkohol stabilisierte ihre Stimmungen nicht. "Wenn überhaupt, äusserte sich der Wechsel zwischen depressiven und manischen Episoden nun völlig ungehemmt und mit einer neuen, nie dagewesenen Heftigkeit." Doch zum Saufen zurück ist keine Option, es hat zuviel Chaos angerichtet.

Sie geht in eine Klinik, erhält neue Medikamente, lernt zu akzeptieren, dass sie sich genau so entwickelt hat, wie es in ihr angelegt war. "Ich akzeptierte die Tatsache, dass ich eine schwere mentale Krankheit hatte, die immer ein Teil meines Lebens bleiben würde, weil sie ein Teil von mir war."

Jessie Close
Ich bin mit den Wolken geflogen
Zwei Schwestern und die Geschichte einer psychischen Erkrankung
LangenMüller, München 2015

Mittwoch, 27. Juli 2016

Mehr-Mehr-Mehr

Hingabe ist der Schlüssel zu allem. Hingabe ist alles. Hingabe ist Frieden. Mein ganzes Leben lang wollte ich immer nur Mehr-Mehr-Mehr. Nichts war mir je genug. Ich steckte voller Neid und Missgunst. Ich glaubte, alle hätten mehr als ich. Inzwischen weiss ich, dass diese ganze Sucht nach dem Mehr-Mehr-Mehr eine Krankheit ist, eine Täuschung. Wir haben alle schon genug. Wir wissen es nur nicht.

Erica Jong: Angst vorm Sterben

Mittwoch, 20. Juli 2016

Just walk away

Give yourself permission to immediately walk away from anything that gives you bad vibes. There is no need to explain or make sense of it. Just trust what you feel.

Raw for Beauty Community Page

Mittwoch, 13. Juli 2016

La normalidad no basta

El objetivo del psychoanálisis freudiano no es demasiado elevado. El objetivo es hacer que la gente siga siendo normal. Pero la normalidad no basta. Ser únicamente normal no tiene ninguna relevancia; significa la rutina normal de la vida y tu capacidad de hacerle frente. No te da un significado, no te da una transcendencia. No te da una visión de la realidad de las cosas. No te lleva más allá de la muerte. Es, como mucho, una estratagema práctica para aquellos que se han vuelto tan anormales que les resulta imposible hacerle frente a la vida diaria; no pueden convivir con la gente, no pueden trabajar, están destrozados. La psicoterapia les da una cierta entereza. Hace con ellos un paquete. Siguen estando fragmentados; no cristaliza nada en ellos, no nace su espíritu. No llegan a ser felices, sólo son menos infelices, menos desgraciados. 

Osho: Autobiografía de un místico espiritualmente incorrecto
                                       

Mittwoch, 6. Juli 2016

Die Clownmethode

Mit "Wie Sie wahres Selbstvertrauen erwerben" ist das erste Kapitel von Michael Stuhlmillers Die Kunst des spielerischen Scheiterns überschrieben. Tipps und Tricks genügen nicht, man muss lernen bei sich zu sein. Und das meint zuallererst: Nicht dauernd daran zu denken, was wohl die anderen von einem halten.

Das wissen wir so recht eigentlich alle, doch wie macht man das praktisch? Zum Beispiel mit Hilfe des Atems: "Wir schaffen uns Luft, indem wir kräftig Luft holen." Schauspieler praktizieren das vor dem Auftritt, denn so kommt man physisch zu sich, entsteht Selbstvertrauen.

"Der Weg zu wahrem Selbstvertrauen geht über den Körper und die Gefühle", behauptet Michael Stuhlmiller und beginnt deswegen seine Kurse "gerne mit einem Tänzchen. Das lockert nicht nur die Stimmung, sondern verschafft allen Teilnehmern die Möglichkeit, Atem zu schöpfen."

Dass man mittels mentaler Einsichten sein Verhalten selten ändern kann, haben womöglich alle schon erlebt. In Stresssituationen versagen regelmässig auch die besten Vorsätze und positivsten Affirmationen. Was also ist zu tun im Konflikt?

"Während sich unser Gegenüber mit hochrotem Kopf in einem Zustand der Auflösung befindet, können wir ihm helfen, seine Achse wieder zu stabilisieren. Das machen wir mithilfe der Zwillingstechnik, also indem wir alles, was er tut, verdoppeln und wiederholen."

Die Kunst des spielerischen Scheiterns ist voller praktischer Hinweise, wie wir uns zentrieren können, damit wir bei uns und möglichst unabhängig von äusseren Ereignissen bleiben. Hier einer der für mich nützlichsten: "Ich habe es mir angewöhnt, stets aufmerksam zu sein, ob ich noch meine Füsse wahrnehme – und damit den Kontakt zum Boden – indem ich ab und zu die Zehen bewege. Sie können davon ausgehen, wenn Sie Ihre Füsse vergessen haben, dauert es nicht mehr lange, bis Sie auch Ihre innere Achse verlieren."

Ziel der Clownmethode ist es, eine stabile innere Achse zu bilden, denn mit einer solchen sind wir imstande, Druck auszuhalten und brauchen ihm nicht auszuweichen. Manchmal gelingt es auch, einen vermeintlichen Nachteil in einen Vorteil zu verwandeln. Dann nämlich, wenn wir einen Perspektiven-Wechsel erfahren.

Hilfreich dabei ist das Prinzip "Legen Sie nicht gleich los". Das kann man üben. Läutet etwa das Telefon, springen Sie nicht gleich auf, sondern lassen es drei oder vier Mal klingeln, bevor Sie antworten. Nicht das Telefon, sondern Sie selber sollen bestimmen, wie Sie sich verhalten wollen.

Auch wenn Michael Stuhlmiller in Die Kunst des spielerischen Scheiterns viele hilfreiche  Techniken vorstellt, so geht es ihm letztlich um Grundsätzliches: "Die Clownmethode als Lebensstil." Für ihn ist der Clown nämlich "ein Verwandler, der dafür sorgt, dass wir unsere Sicht aufs Leben ins Positive verwandeln und uns dabei mit innerer Freude und Heiterkeit verbinden."

Dass der Clown sich ganz unbedingt als Verwandler eignet, ergibt sich übrigens auch daraus, dass für ihn die Welt insgesamt beseelt ist. "Er macht keinen Unterschied zwischen Mensch, Handlung und Objekt und ähnelt damit einem Schamanen. Für ihn befindet sich alles in einem ständigen Wechselspiel, das die unterschiedlichsten Dinge miteinander verwebt."

Darüber staunt er. Und wer staunt, verbindet sich mit sich und der Welt. "Staunen führt uns zu der Erkenntnis, dass das, was uns bewegt, auch andere bewegt."

Michael Stuhlmiller
Die Kunst des spielerischen Scheiterns
Wahres Selbstvertrauen gewinnen mit der Clownmethode
Kailash Verlag, München 2016

Mittwoch, 29. Juni 2016

Meine ruhelose Seele

"Solange ich denken kann, war ich auf erschreckende, wenngleich oft auch auf wundersame Weise Stimmungen unterworfen. Nachdem ich als Kind äusserst emotional und als junges Mädchen quirlig und lebhaft gewesen war, wurde ich in der späteren Adoleszenz zunächst schwer depressiv und verfing mich dann, mit meinem Eintritt ins Berufsleben, heillos in den Zyklen der manisch-depressiven Krankheit", schreibt die Psychiatrieprofessorin Kay Redfield Jamison im Prolog zu ihrem Bericht über ihre bipolare Störung.

Aus Not und intellektueller Neigung beginnt sie ihre Stimmungsschwankungen zu erforschen. Herausgekommen ist dabei Meine ruhelose Seele, ein hervorragend und spannend geschriebenes Werk, das Oliver Sacks treffend wie folgt charakterisierte: "Mutig, brillant, wundervoll – dieses Buch sucht in der Literatur über manische Depressionen seinesgleichen."

Kay Redfield Jamison beginnt ein Medizinstudium in Los Angeles und im schottischen St. Andrews (wo es "horizontal schneit", wie ihr Tutor sagte, der wie viele seiner englischen Landsleute glaubte, "dass halbwegs akzeptables Wetter, von der Zivilisation ganz zu schweigen, dort endete, wo Schottland beginnt"), wechselt dann aber zur Psychologie.

Ihr ist klar, dass sie etwas gegen ihre Stimmungsschwankungen unternehmen muss. Vor der Wahl entweder in psychiatrische Behandlung zu gehen oder ein Pferd zu kaufen, entscheidet sie sich fürs Pferd. Zudem lernt sie, klinische Diagnosen zu stellen, sieht jedoch keinen Zusammenhang zwischen den eigenen Problemen und dem in den Lehrbüchern beschriebenen manisch-depressiven Krankheitsbild.

"Wenn ich heute daran zurückdenke, kann ich diese Ignoranz, dieses Leugnen einfach nicht begreifen. Allerdings stellte ich fest, dass mir der Umgang mit psychotischen Patienten weniger ausmachte als den meisten meiner Kommilitonen."

Besonders eindrücklich beschreibt sie ihren Widerstand, die Krankheit zu akzeptieren. "Die psychologischen Probleme haben sich letztlich bei meinem langen Widerstand gegen das Lithium als sehr viel bedeutsamer erwiesen als die Nebenwirkungen. Ich wollte einfach nicht wahrhaben, dass ich Medikamente brauchte. Ich war förmlich süchtig nach meinen wechselnden Stimmungen; ich war süchtig nach ihrer Intensität, nach der Euphorie, nach der Sicherheit, in der man sich wiegt, und nach ihrer ansteckenden Wirkung auf andere."

Dazu kam, dass sie verinnerlicht hatte, was ihr als Kind beigebracht worden war. Dass "man gewisse Dinge einfach durchstehen müsse, dass man sich nur auf sich selbst verlassen dürfe und andere nicht mit seinen Problemen belästigen solle." Dagegen kamen während langer Zeit auch die besten Einsichten nicht an.

Dann verliebt sie sich, der Mann versteht sie, doch es kommt anders als erhofft. Er stirbt im Alter von vierundvierzig an einem schweren Herzanfall, sie ist damals zweiunddreissig. Sie vergräbt sich in die Arbeit, verbringt ein Forschungsjahr in England, verliebt sich wieder, reduziert in Absprache mit ihrem Psychiater das Lithium und erlebt das Leben neu. "Ich empfand das Schöne, aber auch das Traurige stärker."

Schliesslich lernt sie ihren heutigen Mann kennen, sie sind sehr verschieden, doch: "Die Liebe ist wie das Leben sehr viel seltsamer und weit komplizierter als die Erziehung einem weismachen wollte." Ist also die Liebe die Lösung? Ein Allheilmittel ist sie zwar nicht, doch kann sie "wie eine sehr starke Medizin wirken. Wie John Donne geschrieben hat, ist sie nicht so rein und abgehoben wie man vielleicht einst geglaubt und gewünscht hat, aber sie dauert fort und sie wächst."

Meine ruhelose Seele ist ein tief bewegendes und grossartiges Buch.

Kay Redfield Jamison
Meine ruhelose Seele
Die Geschichte einer bipolaren Störung
mvg Verlag, München 2014

Mittwoch, 22. Juni 2016

Stress. Ein Lebensmittel

Stress gehört zu den Wörtern, die klar negativ konnotiert sind. Und weil dem so ist, gibt es natürlich auch die andere Position, die den Stress positiv definiert. Diese vertritt Urs Willmann, Wissenschaftsredakteur bei der Wochenzeitung Die Zeit, der von sich selbst sagt, er sei ein Energie-Junkie, der leidenschaftlich arbeitet und extreme sportliche Herausforderungen sucht, am liebsten beim Marathonlauf oder in den Bergen.

Schreibt nun ein solcher Mann ein Buch mit dem Titel Stress. Ein Lebensmittel, so kann man davon ausgehen, dass es sich dabei um ein Loblied auf ein Gefühl handeln wird, dass wohl die meisten als eher nicht so toll, ja als unangenehm empfinden.

Nur eben, vielen wird es wohl ähnlich gehen wie mir: sie haben noch nie wirklich darüber nachgedacht und einfach nachgeplappert, was man gemeinhin so sagt, auf Englisch natürlich, also: Stress, no good!

Urs Willmann sieht das ganz anders, findet Stress nicht nur belebend, sondern gesund (wie immer: in der rechten Dosis) und geradezu überlebenswichtig. Forscher aus den unterschiedlichsten Wissensdisziplinen "liefern neue Erkenntnisse, die belegen, wozu Stress in der Lage ist: Er macht uns gesund, glücklich und stark, er verlängert das Leben."

Mir gefällt, dass es dieses Buch gibt. Einmal, weil Stress zu Unrecht einen einseitig negativen Ruf geniesst. "Mutter Natur gab uns die Stressreaktion, um uns zu helfen, nicht um uns zu töten", wird der Stanford-Dozent Firdaus Dhabhar zitiert. Vor allem aber, weil Autor Willmann das Thema so ungeheuer breit abhandelt.

Wo der Mann nicht alles Stress sieht! So lese ich etwa: "Die Handlung eines Kriminalromans liefert uns fast immer eine Parallele zur Stressreaktion." Und ich erfahre, wie Stanley Kubrick ihn sich in Shining zunutze machte. Und lerne, dass die unterschiedlich hohen Türme der toskanischen Stadt San Gimignano womöglich auf stressauslösende Familienfehden zurückgehen.

So recht eigentlich gibt es nichts, was der Autor nicht in Verbindung zu Stress bringt. Und natürlich hat er dafür meine volle Sympathie. Als ich vor Jahren die Dokumentarfotografie entdeckte, sah ich auch plötzlich allüberall Zusammenhänge, die mir bis dahin vollkommen entgangen waren.

Etwas Mühe hatte ich jedoch mit all den sogenannt wissenschaftlichen Untersuchungen, die der Autor anführt. Ich habe noch nie verstanden, wie jemand sich auf die Auswertung von Fragebogen oder Antworten von Probanden glaubt verlassen zu können, denn dies setzt ja seitens der Befragten ein Bewusstsein über eigene unbewusste Vorgänge voraus, das so recht eigentlich gar nicht existieren kann.

Doch was ist eigentlich Stress genau? "Stress ist das, was Stresssysteme aktiviert". Das ist zunächst einmal weder gut noch schlecht, es ist einfach so. Doch das bringt uns nicht weiter, denn dem Menschen ist aufgegeben, sich zu verhalten, er muss sich also positionieren. Urs Willmanns Position ist: "Wir halten den Stress für einen Feind statt für eine Möglichkeit, uns gegen Gefahren zu wehren."

Die zahlreichen Belege (das Buch ist auch eine ungeheure Fleissarbeit), die er für seine These, dass Stress ein unverzichtbares Lebensmittel ist, anführt, sind nicht nur überzeugend, sondern stimulieren auch, seine wohltuende Wirkung am eigenen Leib zu erfahren, denn "Stress hat das Zeug zum Lebenselixier".

Urs Willmann meint, dass Stress sogar gegen Drogensucht helfen kann. "Wer im Sport, bei der Arbeit oder in der wohltuenden Hektik der Vorfreude Adrenalin und Endorphine ausschüttet, aktiviert wie der Junkie und der Trinker das Belohnungssystem. Um nachhaltig eine zerstörerische Sucht zu bekämpfen, kann man sich daher getrost ein bisschen süchtig machen: nach der Arznei aus dem körperlichen Drogenschrank." Ein guter und einleuchtender Gedanke, der jedoch möglicherweise übersieht, dass zerstörerische Süchte eher selten mit einleuchtenden Gedanken zu bezwingen sind.

Urs Willmann
Stress. Ein Lebensmittel
Pattloch Verlag, München 2016